kjz-Sprechstunde

«Der Kinderarzt verweigert unserem Kind eine ADHS-Abklärung. Was nun?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Der Kinder­arzt weigert sich, unser Kind für eine ADHS-Abklä­rung anzu­mel­den. Nicht, weil er die Notwen­dig­keit nicht sehen würde, sondern aus Prinzip. Trotz länge­rem Suchen finden wir leider keinen anderen Kinder­arzt. Wie kommen wir dennoch zu einem Warte­platz für eine Abklä­rung?

Liebe Eltern

Ich kann mir gut vorstel­len, dass Sie als Eltern beun­ru­higt sind und dass Sie sich vom Kinder­arzt nicht ernst genom­men fühlen. Als Eltern möchten Sie Ihr Kind in seiner Entwick­lung best­mög­lich unter­stüt­zen. Ich kann Ihnen sagen, dass Sie die ADHS-Abklä­rung ohne eine ärzt­li­che Verord­nung in die Wege leiten können. Je nach Alter Ihres Kindes sind unter­schied­li­che Fach­stel­len zustän­dig.

Für Klein­kin­der (Kinder vor dem Kinder­gar­ten­al­ter) ist die Heil­päd­ago­gi­sche Früh­be­ra­tung die rich­tige Anlauf­stelle. Dort werden Sie beraten, wenn Sie bei Ihrem Kind Entwick­lungs­auf­fäl­lig­kei­ten fest­stel­len. Eine Fach­per­son klärt ab, welche Stärken und Schwä­chen Ihr Kind hat, und bespricht mit Ihnen das weitere Vorge­hen. Die Heil­päd­ago­gi­sche Früh­be­ra­tung finden Sie im ganzen Kanton Zürich. Das Angebot ist kosten­los und wird vom Kanton finan­ziert.

Ist Ihr Kind bereits einge­schult, können Sie es selbst­stän­dig in der Kinder- und Jugend­psych­ia­trie und Psycho­the­ra­pie (KJPP) anmel­den. Dies ist eine Stelle, die sich mit der Entwick­lung von Gehirn und Verhal­ten, mit Genen, gesell­schaft­li­chen Fakto­ren und der Umwelt beschäf­tigt.

Der Schul­psy­cho­lo­gi­sche Dienst (SPD) des Kantons Zürich berät eben­falls Eltern, die sich Sorgen um Ihr Kind machen. Schul­psy­cho­lo­gin­nen und Schul­psy­cho­lo­gen unter­stüt­zen dabei, passende Lösun­gen zu finden. Die Leis­tun­gen des SPD sind für die Eltern kosten­los.

Zusätz­lich gibt es die ADHS-Orga­ni­sa­tion elpos Schweiz. Bei elpos arbei­ten Fach­per­so­nen und Bera­te­rin­nen, die auf das Thema ADHS spezia­li­siert sind und sich mit den Fragen von Menschen mit ADHS und ihren Ange­hö­ri­gen beschäf­ti­gen. Auch hier können Sie sich kosten­los beraten lassen.

Es braucht manch­mal sehr viel Geduld und Zeit, bis Eltern einen Termin für eine solche Abklä­rung erhal­ten. Im Alltag mit Ihrem Kind können Sie jedoch jetzt schon einige Dinge beach­ten:

  • Eine klare Tages­struk­tur gibt Ihrem Kind Halt, Orien­tie­rung und Sicher­heit.
  • Versu­chen Sie, die posi­ti­ven Momente in Ihrer Bezie­hung zum Kind vermehrt zum Vorschein kommen zu lassen. Ein hilf­rei­cher Weg dabei ist, dass Sie sich bewusst machen, was alles im Alltag gut gelingt. Beden­ken Sie dabei, dass der Alltag für ein Kind sehr anstren­gend sein kann. Zeigen Sie Ihrem Kind, worüber Sie sich freuen.
  • Nehmen Sie sich auch immer wieder Zeit, mit Ihrem Kind zu spielen und andere ange­nehme Akti­vi­tä­ten durch­zu­füh­ren. Es geht dabei gar nicht darum, möglichst viel Zeit mit ihm zu verbrin­gen, sondern sich mehr­mals am Tag ganz auf das Kind einzu­las­sen. Dies hilft ihm, in heraus­for­dern­den Situa­tio­nen koope­ra­ti­ver zu sein.

Nun hoffe ich, dass Sie bald­mög­lichst eine Fach­per­son finden, die Sie auf diesem Weg beglei­tet.

Patri­cia Zgrag­gen (Mütter- und Väter­be­ra­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».