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Unser Augenblick – Gespräche mit Kindern und Jugendlichen

Aisha freut sich, wenn sie wieder in die Schule gehen darf

Veröffentlicht am von Anna Kardos, AJB

Kinderaugen sehen die Welt anders. Doch gerade für Kinder und Jugendliche steht die Welt seit Wochen Kopf. Wie sie den Lockdown erleben; was ihre Ängste und Gedanken sind und worauf sie sich in der Zeit nach Corona freuen – davon erzählen Kinder und Jugendliche in der Portraitserie «Unser Augenblick».


Ich bin Aisha (7). Ich wohne zusammen mit meinem Mami, meinem Papi, mit Liam (3) und mit mir selber. Und am Wochenende wohne ich manchmal bei Papa Albert.

Wie hast Du erfahren, dass die Schule schliessen muss?
Ich kann mich nicht mehr ganz erinnern. Ich bin nach Hause gegangen und dann haben wir Zmittag gegessen und ich habe gespielt und dann ist glaubs noch etwas anderes passiert. Ich habe mich am Anfang gefreut. Aber jetzt denke ich schon: Nein, es ist besser mit der Schule. Weil es so langweilig ist und weil es so lang ist.

Am ersten Tag mussten wir nochmals in die Schule. Unsere Sachen holen. Dann haben wir einen Ordner bekommen mit ganz vielen Sachen: Deutsch, Mathe, Bastelsachen, ein Tagebuch und Sachen für die Eltern. Und ein Rezept für ein Cowboy-Essen und irgendwas mit Gnocchi ist auch drin. Mein Thek war sogar zu klein für alles zusammen!

Wie sieht ein typischer Corona-Tag bei dir aus?
Ich stehe meistens um sieben oder acht Uhr auf. Und dann essen wir Zmorgen. Ein paar Mal musste Papa schnell essen und schon gehen. Am Samstag und Sonntag stehe ich immer schon um sieben auf, weil ich mich so freue.

Sonst habe ich immer um neun Uhr Schule. Meine Schule ist an meinem Pult im zweiten Stock. Ich bin alleine dort, die anderen sind unten. Ich finde es nicht so schwierig. Aber ein paar Sachen sind auch schwierig. Am einfachsten ist für mich Deutsch. Im Rechnen gibt es ganz viele Blätter mit Viereckli. Dort hat es immer eine Zahl drin, aber man kennt die Zahl nicht. Als ich das machen musste, bin ich zum Mami runter gegangen und habe sie gefragt, wie das geht.

Immer am Donnerstag kommen alle Kinder zum Checken in die Schule. Dann nimmt die Lehrerin die Blätter raus, die sie korrigieren muss. Nachher kriege ich neue Sachen. Ein paar Kinder gehen am Vormittag, Ein paar am Nachmittag. Immer nacheinander.

Was hat sich am meisten verändert zu Hause?
Dass ich die ganze Zeit zu Hause bin. Dass ich nicht raus kann. Ich musste auch anfangen aufzuräumen. Mein Zimmer und meine Spielsachen. Und bei Papa Albert muss ich immer, gerade wenn ich gespielt habe, grad aufräumen.

Was ist der grösste Konflikt in deiner Familie?
Wir sind eine Familie, die jetzt gerade ein bisschen mehr streitet. Am Abend, wenn jemand etwas erzählen will, dann redet einfach ein anderer dazwischen. Und Liam ist in letzter Zeit ein bisschen komisch. Er ist ein bisschen bala bala drauf. Wenn er mich haut, dann frage ich: Hast du mich gehaut? Und er sagt: Nein. Nachher frage ich: Habe ich dich gehaut? Und er so: Ja.

Was ist in diesen Wochen für dich das Schlimmste?
Aufgaben machen war schwieriger. Weil es immer Lärm im Haus gibt. Sie hören unten CD und ich höre es bis oben. Sie spielen im Estrich. In der Schule ist das anders. Da müssen alle ruhig sein, wenn man etwas macht.

Hattest du jemals Angst?
Ich habe keine Angst. Weil Mami gesagt hat, dass es nicht so schlimm ist und ich keine Angst haben muss. Beim Papa Albert haben sie gesagt: Ich muss beim Händewaschen immer das ganz Happy-Birthday-Lied aufsagen. Seife einreiben ist mit dem englischen Happy-Birthday und Hände auswaschen ist mit dem schweizerdeutschen Happy-Birthday.

Was vermisst Du am meisten?
Am meisten vermisse ich meine Freunde, die ich fast nie mehr sehen kann. Ich habe sie schon lange nicht gesehen. Und ich vermisste die Chilbi. Und ich vermisste den Böögg!

Was war schön in diesen Wochen?
Mir hat es gefallen, dass ich spielen konnte – einfach zu Hause. Und dass ich ganz lange raus gehen darf, bei uns in der Nachbarschaft und mit ein paar Freunden spielen. Und der Liam hat von der Kita eine Nachricht bekommen, ein Video. Ob sie den blauen Traktor weg tun dürfen. Weil der Liam doch so gerne blau hat.

Hast du eine Erfahrung gemacht, die für dich auch nach Corona wichtig sein wird?
Ich würde gerne wieder mal in die Schule gehen. Das ist das Beste! Weil dort streitet fast niemand in der Klasse.

Worauf freust du dich am meisten, wenn Corona vorbei ist?
Auf die Schule nächste Woche. Und auf den Schulweg, dass ich hin und her laufen kann, immer hin und her. Am meisten freue ich mich auch auf das Turnen und das Schwimmen. Ich wünsche mir auch, dass ich bei Papa Albert bald wieder mit meinem Hund rausgehen kann zum Spazieren.

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