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Bewegungsraum für Babys

Babys und Kleinkinder brauchen Raum für Entwicklung – eine Herausforderung für Eltern

Veröffentlicht am von Oliver Fischer

Sobald Kinder mobil werden, wollen sie die Welt entdecken. Den nötigen Raum dafür müssen die Eltern ihnen gewähren. Das ist aber nicht immer ganz einfach, schliesslich lauern überall kleinere und grössere Gefahren. Im kjz-Kurs «Bewegungsraum für Babys» können die Kinder auf Entdeckungsreise gehen und die Eltern lernen, sich zwischen Übervorsicht, nötiger Sicherheit und gesunder Aufmerksamkeit zu bewegen.

Babys möchten ihre Umwelt entdecken, sind neugierig und haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Eltern sind jedoch  um die Sicherheit ihres Kindes besorgt und sehen viele Gefahren. Wie kann Eltern die Herausforderung gelingen, sowohl die Sicherheit und Gesundheit des Babys im Blick haben, aber trotzdem Freiräume zu gewähren und Entwicklungsraum zu bieten?

Hier setzt das neue Angebot  «Bewegungsraum für Babys» an, den die Mütter- und Väterberaterin Beatrice Avduli in der Region Horgen ins Leben gerufen hat. Der Bewegungsraum ist dabei nicht (nur) wortwörtlich zu verstehen, wie sie erklärt: «Es geht nicht nur um körperliche Bewegung für die Babys, sondern darum, dass Kinder in einem geschützten Rahmen Erfahrungen sammeln und sich auf Entdeckungsreise begeben können. Die Kinder erhalten Gelegenheit, alle Sinne zu nutzen und durchs Spielen lernen können. Im Austausch mit den anderen Kindern können sie soziale Erfahrungen machen.» Entscheidend dabei sei, dass man die Kinder einfach machen lässt und dass Eltern ihre Kinder üben lassen, ohne sofort helfend einzuschreiten. «Die Kinder können im geschützten Rahmen erfahren, dass es Durchhaltevermögen und Ausdauer braucht, bis man etwas beherrscht. Und die Eltern lernen, Enttäuschungen ihrer Kinder auszuhalten , erfreuen sich am Stolz des Kindes, wenn etwas gelungen ist, üben sich in Geduld und verstehen, dass man Kinder nicht einfach dazu pushen kann, schneller zu lernen.» Die Vorstellung, wenn man nur weiss wie, könne man einem Kind schon alles beibringen, sei weit verbreitet. «So ist es aber nicht, und das müssen Eltern zu akzeptieren lernen.» Entscheidend sei aber eben, dass man den Kindern die Möglichkeit, oder anders gesagt, den Raum gibt, um zu üben, zu entdecken, zu lernen.

Ein weiterer wichtiger Punkt beim Thema, seinem Kind Raum zu gewähren, ist es dabei interessiert  und aufmerksam dabei zu sein, erklärt Beatrice Avduli. «Es reicht nicht, dem Kind ganz viele Spielsachen zu Verfügung zu stellen und es «einfach machen zu lassen», während man selbst aber völlig abgelenkt ist.» Es brauche immer beides: dem Kind Raum zu geben ohne ständig einzuschreiten, dabei aber seine Aufmerksamkeit ganz dem Kind zu schenken und es zu begleiten auf seinen Entdeckungsreisen. «Auch das können Eltern in dem Kurs erfahren und üben.»

Was aber können Eltern unternehmen, um ihren Kindern auch zuhause im Alltag möglichst oft einen möglichst guten Bewegungsraum anzubieten?

Beatrice Avduli betont zunächst, dass man alle offensichtlichen Gefahrenherde beseitigen soll, weil sonst der Stress, sein Kind immer ganz genau im Auge haben zu müssen zu gross sei. Dazu gehört es etwa, Gegenstände, die so klein sind, dass sie ein Kind ganz in den Mund nehmen könnte, ausser Reichweite des Kindes zu verstauen. Ebenso sollten alle Flüssigkeiten für Kinder unerreichbar sein. «Alles was gefährlich sein kann, gehört in die Höhe oder eingeschlossen, so dass das Kind nicht rankommt.»

Sinnvoll sei es auch, Schranktüren – z. B. in der Küche – mit Kindersicherungen zu verschliessen, Steckdosen zu sichern und wenn es Treppen in der Wohnung gibt, diese mit einem Gittertörchen zu verschliessen. Nicht zu vergessen Zimmerpflanzen, die giftig sein könnten oder z. B. mit Kieselsteinen oder Hydrokulturen (Tonkügelchen) versetzt sein können. Dazu kann man sich überlegen, Tischecken zu polstern, sobald die Kinder sich hochziehen und zu laufen beginnen. «Es gibt Eltern eine grosse Sicherheit, wenn sie wissen, alles was ihr Kind in der Wohnung machen kann, darf es auch und es besteht keine unmittelbare Gefahr.»

Was kann man mit seinem Kind machen, wenn man zuhause mit Haushaltsarbeiten beschäftigt ist?

Im Baby- und Kleinkindalter spielen die Kinder am liebsten dort, wo sich auch die Eltern aufhalten . «Dass das Kind allein im Kinderzimmer spielt, ist in dem Alter noch kein Thema», sagt Beatrice Avduli, «es braucht die Nähe der Eltern und ihre Aufmerksamkeit.» Es komme aber sehr darauf an, was man als Eltern gerade erledigen müsse, wie man am besten mit dem Kind umgehe. «Je nachdem kann es gefährlich sein fürs Kind, zum Beispiel beim Kochen, wenn es einem ständig zwischen den Beinen umherkriecht. Dann ist es besser, es hinter ein Türabsperrgitter  zu setzen und es dort mit etwas zu beschäftigen.»

Ideal sei es aber natürlich, wenn man dem Kind, egal wo in der Wohnung  man sich gerade aufhalte, einfach etwas zum Entdecken geben könne, sagt die Beraterin, bzw. es in die Alltagstätigkeiten miteinbezieht. «Gerade in diesem Alter finden die Kinder alltägliche Gebrauchsgegenstände oft viel interessanter als Spielzeug. Da reicht es, wenn man ihnen in der Küche einen Holzlöffel und eine Plastikschüssel gibt. Oder im Badezimmer einen Schwamm und einen Lappen.»

Weniger ist oft mehr

Damit schlagen wir den Bogen wieder zurück zum Kurs «Bewegungsraum für Babys», denn darin wird den Kindern nicht in erster Linie irgendwelche Spielsachen vorgesetzt, sondern ganz alltägliche Gegenstände und Objekte, welche die Kinder dann entdecken dürfen. «Kinder und Eltern erfahren, dass man auch mit einer Kartonschachtel, einem Korb, einer alten Handtasche oder ein paar Tüchern ganz viel spielen, ausprobieren und lernen kann.» Es brauche gar nicht viel, im Gegenteil lieber weniger Sachen aufs Mal, dafür diese öfters austauschen.

Apropos Austausch: ein Austausch mit andern Eltern tut gut und eine Fachperson, die einem Bestätigung gibt und allenfalls Fragen beantwortet, ist stützend.


Beatrice Avduli, Mütterberaterin HFD hat nach ihrer Erstausbildung zur Pflegefachfrau einige Jahre im Kinderspital Zürich auf der Neonatologie und im Universitätsspital Zürich auf dem Wochenbett gearbeitet. 18 Jahre lang hat sie in der Mütter- und Väterberatung in der Stadt Zürich gearbeitet, wo sie berufsbegleitend auch die Zusatzausbildung zur Mütter- und Väterberaterin absolviert hat. Nach einem Abstecher in die Familienbegleitung inklusive CAS in sozialpädagogischer Familienbegleitung, arbeitet sie nun seit 2014 im kjz Adliswil wieder als Mütter- und Väterberaterin. Beatrice Avduli lebt mit ihrem Mann in Zürich, ihre zwei Töchter sind erwachsen.

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