Fragen zur Erziehung und Entwicklung Ihrer Kinder und zum Familienalltag? Die Fachleute unserer Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) beraten Sie gern.
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Viele Eltern kennen den Moment, in dem sie innerlich kurz vor dem Explodieren stehen. Gerade im Familienalltag treffen Nähe, Zeitdruck und starke Gefühle immer wieder aufeinander. Wer rechtzeitig innehält, kann Kindern zeigen, dass Wut sein darf, Gewalt aber nicht.
Das Recht auf gewaltfreie Erziehung steht neu im Gesetz
Seit dem 1. Juli 2026 ist das Recht auf gewaltfreie Erziehung im Schweizerischen Zivilgesetzbuch (ZGB) verankert.
Die Gesetzesänderung stellt einen wichtigen Meilenstein dar: Sie bestätigt das Recht der Kinder auf eine respektvolle Erziehung ohne körperliche oder psychische Gewalt. Bei Erziehungsfragen oder Belastungen im Familienalltag bieten im Kanton Zürich die Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) sowie die Geschäftsstelle Elternbildung Unterstützung.
Matteo ist 5 Jahre alt und spielt Ritter. Der Besen ist sein Schwert, die Vasen sind seine Gegner. Seine Mutter sagt mehrmals «Stopp!», doch Matteo schwingt weiter seine Waffe. Für Scherben hat die Mutter gerade keine Zeit: Bald kommen Matteos Geschwister nach Hause und das Mittagessen muss bereitstehen; für die Arbeit muss sie noch vor zwölf Uhr ein E-Mail verschicken. Dann fällt eine Vase zu Boden und geht in die Brüche. Wütend packt die Mutter Matteo, schreit ihn an und schüttelt ihn.
Für Konflikte gibt es Lösungen
Solche oder ähnliche Szenen sind vielen Familien vertraut. Die meisten Eltern kommen irgendwann an ihre Grenzen, und aus Verunsicherung und Überforderung wird Frust oder Wut. Doch auch in schwierigen Situationen gibt es Lösungen. So können Sie Ihrem Kind ein Vorbild sein und vor allem schützen Sie es vor den Folgen von Gewalt. Ein paar Tipps, angelehnt an die Handlungsalternativen zur Gewalt der Stiftung Kinderschutz Schweiz:
- Kurz innehalten und atmen
Bevor die Wut aus Ihnen herausbricht, zählen Sie innerlich bis zehn – oder auch bis 100. Atmen Sie zwischen den Zahlen bewusst ein und aus, bis der erste Druck nachlässt.
- Gefühle benennen, Grenzen setzen
Emotionen dürfen sein, Gewalt nicht. Sagen Sie zum Beispiel: «Ich bin gerade sehr wütend und muss mich zuerst beruhigen.» Nehmen Sie sich dann kurz heraus, trinken Sie ein Glas Wasser oder gehen Sie einen Moment an die frische Luft.
- Zuhören und Gefühle verstehen
Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu und versuchen Sie, seine Sicht zu verstehen. So fühlt es sich ernst genommen und lernt, seine eigenen Gefühle besser einzuordnen.
- Mitentscheiden stärkt Kooperation
Geben Sie Ihrem Kind altersgerechte Wahlmöglichkeiten. Klären Sie, wo es mitreden darf und wo Sie entscheiden. So erlebt es seine Meinung als wichtig und kann Abmachungen besser mittragen.
- Lösungen erst in Ruhe suchen
In aufgeheizten Momenten brauchen Kinder Unterstützung, keine Strafe aus dem Affekt. Suchen Sie gemeinsam nach passenden Lösungen, sobald sich die Gefühle auf beiden Seiten beruhigt haben.
Wenn es trotzdem kracht
Entschuldigen Sie sich bei Ihrem Kind und erklären Sie in einfachen, verständlichen Worten, weshalb Sie überreagiert haben. Seien Sie aufrichtig, erwarten Sie aber nicht, dass Ihr Kind Sie von Ihren Schuldgefühlen entlastet. Wiederholt sich ein solcher Vorfall, sprechen Sie darüber und holen Sie sich Unterstützung.
Zurück zu Matteo und seiner Mutter: Seine Mutter könnte auf seine Augenhöhe gehen, ihn am Arm berühren und sagen: «Ich möchte, dass die Vasen heil bleiben. Bitte spiel Ritter in deinem Zimmer oder wir suchen zusammen ein neues Spiel. Was möchtest du?» Reagiert Matteo nicht darauf, spielt weiter und wirft aus Versehen eine Vase um, spürt die Mutter, wie Wut in ihr aufsteigt. Es gelingt ihr, sich zu bremsen: «Es macht mich sehr wütend, dass trotzdem eine Vase kaputt gegangen ist. Ich muss mich kurz beruhigen.» Im Gang zählt sie bis zehn und atmet tief durch. Danach kehrt sie ins Wohnzimmer zurück und bittet Matteo, die Scherben mit ihr aufzuwischen. Dabei darf er sein Schwert einsetzen – diesmal als Besen. Sie nimmt sich vor, das Geschehene später in Ruhe mit Matteo zu besprechen, wenn sich die Gemüter abgekühlt haben.
Wenn Sie als Eltern einmal nicht mehr weiterwissen
- Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz): Beratungsangebote und Veranstaltungen des Amts für Jugend und Berufsberatung (AJB) des Kantons Zürich (kostenlos)
- Elternberatung: Rund-um-die-Uhr-Beratung der Stiftung Pro Juventute, erreichbar per Telefon, Chat oder E-Mail (kostenlos)
- Elternnotruf: 24h/Tag Hilfe per Telefon, E-Mail, Chat oder persönlich vor Ort (kostenlos)
- männer.ch: Informationen zur Gewaltprävention für Männer unter Druck vom Verein männer.ch
Eine Auswahl empfohlen vom Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB) des Kantons Zürich
In unseren Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) finden regelmässig Kurse, Workshops, Gesprächsgruppen und andere Veranstaltungen für Eltern statt.
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