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Interview mit Sozialarbeiterin Eleanor Büchler

Ferien zu planen ist für getrennte Eltern kein Zuckerschlecken

Veröffentlicht am von Fiona Feuz, AJB

Die Ferien sind im vollen Gange. Die Luft riecht nach Sonnencreme, der kühle Zürichsee lockt Familien an. Doch Ferien können auch zu Auseinandersetzungen führen, gerade für getrennt lebende Eltern. Was tun, wenn die Kinder nicht zur Mutter und dem neuen Partner wollen? Und was muss beachtet werden, wenn man mit seinem Kind alleine verreist? Eleanor Büchler, Sozialarbeiterin im kjz Dietikon, gibt Auskunft.

Ab wann sollten die Wünsche der Kinder abgeholt und berücksichtigt werden, wenn es um die Aufteilung der Ferien geht?
Sobald Kinder urteilsfähig sind, mit ca. 6 Jahren, haben sie das Recht mitzureden. Auch schon vor dem sechsten Geburtstag, ist es wichtig, Kinder miteinzubeziehen und vorzubereiten. Es ist aber nicht so, dass die Eltern dann jedem Wunsch der Kinder nachkommen müssen. Kinder sollen spüren, dass sie ernst genommen und gehört werden, was nicht heisst, dass ihre Wünsche über allem stehen. Wenn sich ein kleines Kind weigert, beim anderen Elternteil eine Ferienwoche zu verbringen, gehört es auch zur Rolle der Erwachsenen, dem Kind zu erklären, dass es toll ist, eine Woche bei Mama oder Papa zu verbringen und dies dazugehört.

Was sollten geschiedene oder getrennte Eltern sonst noch beachten, wenn es um die Ferien der Kinder geht?
Es ist wichtig, Ferien und deren Aufteilung im Voraus zu planen. Dabei sollte die Ferienplanung altersangepasst sein. Es geht nicht nur darum, dass die Aufteilung fair ist für die Eltern, sondern sinnvoll und tragbar für die Kinder und deren Entwicklungsstand.

Gerade mit neuen Partnerschaften kann es aber zu Konflikten kommen. Was kann hier Abhilfe schaffen?
Falls Kinder neue Partner ihrer Eltern überhaupt nicht mögen, kann es helfen, Alternativen oder Kompromisse für die Ferien zu suchen. Zum Beispiel ein Wochenende nur mit dem Vater oder der Mutter ohne den neuen Partner. Man sollte das so offen wie möglich ansprechen und versuchen herauszufinden, was die kindlichen Bedürfnisse sind und wie diese nicht zu kurz kommen, anstatt sie aus Unsicherheit zu übergehen.

Die Konflikte können auch zu Heimweh führen. Was kann da helfen?
Um die Kinder zu unterstützen, hilft es, zu schauen, wie man ihre Gefühle auffangen kann. Ein wichtiger Punkt sind Kontaktmöglichkeiten. Wann können die Kinder den anderen Elternteil erreichen? Und wie? Manchen Kindern hilft es, wenn sie Fixpunkte erhalten wie zum Beispiel: jeden dritten Tag dürfen sie mit der abwesenden Mutter oder dem fehlenden Vater telefonieren oder eine Postkarte schreiben etc. Dies kann dem Kind Struktur geben und das Heimweh lindern. Hier sind Kinder aber unterschiedlich, deshalb empfiehlt sich, die individuellen Bedürfnisse des Kindes genau zu prüfen.

Viele Eltern verreisen in den Ferien, die sie alleine mit ihren Kindern verbringen ins Ausland. Was muss dabei beachtet werden?
Wenn ein Elternteil mit dem Kind ins Ausland reist, gibt es einige administrative Punkte, die geklärt werden müssen. Erstens gehören die Reisepapiere und Dokumente immer zum Kind, diese dürfen nicht vom anderen Elternteil zurückbehalten werden. Dann empfiehlt sich je nach Destination zudem eine ausgefüllte Einverständniserklärung des anderen Elternteils dabei zu haben, auch bei gemeinsamer elterlicher Sorge. Es gibt Reiseziele, da kann die Ein- oder Ausreise schwierig sein, wenn man alleine mit dem Kind unterwegs ist. Vor allem dann, wenn die Kinder nicht gleich heissen, wie die Mutter oder der Vater.

Was tun, wenn man sich gar nicht mehr verträgt und Mühe hat, die Ferien aufzuteilen?
Ist man sich nicht einig, sollten die Diskussionen auf der Erwachsenen-Ebene geführt und die Kinder nicht einbezogen werden. Um Konflikte zu lösen, kann ein Perspektivenwechsel hilfreich sein. Sich in die andere Person hineinzuversetzen und sich zu fragen, was diese bei der Aufteilung empfindet, begünstigt es, gemeinsam eine Lösung zu finden.

Und wenn dies nicht mehr klappt?
Dann kann eine neutrale Person hinzu gezogen werden, um zu vermitteln. Beispielsweise ein gemeinsamer Freund, dem es gelingt sich ausreichend abzugrenzen. Wenn die Fronten zu verhärtet sind, kann eine freiwillige und kostenlose Beratung im kjz Unterstützung bieten. Wir können die Eltern dabei unterstützen, eine Ferienplanung zu machen und eine gemeinsame Haltung zu entwickeln. Auch beraten wir bei besuchsbezogenen Unsicherheiten mit konkreten Empfehlungen für den Umgang mit dem Besuchsrecht. Dabei sind wir auch Ansprechpersonen für Kinder, welche unter der Trennung leiden und sich allein nicht ausreichend gehört fühlen. Bei grundsätzlichen Betreuungsregelungen helfen auch die Experten bei Vaterschaft und Unterhalt.


Weitere Informationen:

Reisen mit Minderjährigen


Eleanor Büchler ist Sozialarbeiterin und hat an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften studiert. Nach Erfahrungen als Sozialarbeiterin auf der Jugendanwaltschaft und als Sozialpädagogin im Jugendheim arbeitet sie seit Beginn 2018 im Kinder- und Jugendhilfezentrum kjz Dietikon. Nebenher absolviert sie eine Weiterbildung in Gesprächsführung und Beziehungsgestaltung an der ZHAW. Sie unterstützt Familien und deren Kinder gerne beim Finden von nachhaltigen Lösungen und sieht das Glas selbst immer halbvoll, nicht halbleer.

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