Gespräch mit einer Sozialarbeiterin

Ferien zu planen ist für getrennte Eltern kein Zuckerschlecken

So vielversprechend Ferien klingen mögen, so gross sind oftmals auch ihre Herausforderungen. Gerade für getrennt lebende Eltern. Was tun, wenn die Kinder nicht zur Mutter und dem neuen Partner wollen? Und was muss beachtet werden, wenn man mit seinem Kind alleine verreist? Eleanor Büchler, Sozialarbeiterin im kjz Dietikon, gibt Antworten.

Ab wann sollten die Wünsche der Kinder abgeholt und berücksichtigt werden, wenn es um die Aufteilung der Ferien geht?
Eleanor Büchler: Sobald Kinder urteilsfähig sind, mit ca. sechs Jahren, haben sie das Recht mitzureden. Doch auch schon vor dem sechsten Geburtstag, ist es wichtig, Kinder miteinzubeziehen und vorzubereiten. Kinder sollen spüren, dass sie ernst genommen und gehört werden. Was aber nicht heisst, dass ihre Wünsche über allem stehen. Wenn sich ein kleines Kind weigert, beim anderen Elternteil eine Ferienwoche zu verbringen, gehört es auch zur Rolle der Erwachsenen, dem Kind zu erklären, dass es toll ist, eine Woche bei Mama oder Papa zu verbringen und dies dazugehört.

Was sollten geschiedene oder getrennte Eltern sonst noch beachten?
Es ist wichtig, die Ferien und ihre Aufteilung im Voraus zu planen. Dabei sollte die Ferienplanung altersangepasst sein. Es geht nicht nur darum, dass die Aufteilung fair ist für die Eltern, sondern auch sinnvoll und tragbar für die Kinder und deren Entwicklungsstand.

Gerade bei neuen Partnerschaften kann es zu Konflikten kommen. Was kann hier Abhilfe schaffen?
Falls Kinder die neuen Partnerschaften ihrer Eltern überhaupt nicht mögen, kann es helfen, für die Ferien Alternativen oder Kompromisse zu suchen. Zum Beispiel ein Wochenende nur mit dem Vater oder der Mutter ohne den neuen Partner oder die Partnerin. Man sollte das so offen wie möglich ansprechen und versuchen herauszufinden, was die kindlichen Bedürfnisse sind und wie diese nicht zu kurz kommen – und sie nicht aus Unsicherheit übergehen.

Die Konflikte können auch zu Heimweh führen. Was kann helfen?
Um die Kinder zu unterstützen, hilft es, ihre Gefühle aufzufangen. Ein wichtiger Punkt sind Kontaktmöglichkeiten. Wann können die Kinder den anderen Elternteil erreichen? Und wie? Manchen Kindern hilft es, wenn sie Fixpunkte erhalten, wie zum Beispiel: Jeden dritten Tag dürfen sie mit der abwesenden Mutter oder dem Vater telefonieren oder eine Postkarte schreiben etc. Dies kann dem Kind Struktur geben und das Heimweh lindern. Hier sind Kinder aber unterschiedlich, deshalb empfiehlt sich, die individuellen Bedürfnisse des Kindes genau zu prüfen.

Viele Eltern verreisen in den Ferien, die sie alleine mit ihren Kindern verbringen, ins Ausland. Was muss dabei beachtet werden?
Wenn ein Elternteil mit dem Kind ins Ausland reist, gibt es einige administrative Punkte, die geklärt werden müssen. Erstens gehören die Reisepapiere und Dokumente immer zum Kind, diese dürfen nicht vom anderen Elternteil zurückbehalten werden. Zudem empfiehlt sich je nach Destination eine ausgefüllte Einverständniserklärung des anderen Elternteils dabei zu haben, auch bei gemeinsamer elterlicher Sorge. Es gibt Reiseziele, da kann die Ein- oder Ausreise schwierig sein, wenn man alleine mit dem Kind unterwegs ist. Vor allem dann, wenn die Kinder nicht gleich heissen, wie die Mutter oder der Vater.

Was tun, wenn man sich gar nicht mehr verträgt und Mühe hat, die Ferien aufzuteilen?
Ist man sich nicht einig, sollten die Diskussionen auf der Erwachsenen-Ebene geführt und die Kinder nicht einbezogen werden. Um Konflikte zu lösen, kann ein Perspektivenwechsel hilfreich sein. Sich in die andere Person hineinzuversetzen und sich zu fragen, was diese bei der Aufteilung empfindet, begünstigt es, gemeinsam eine Lösung zu finden.

Und wenn dies nicht mehr klappt?
Dann kann eine neutrale Person hinzu gezogen werden, um zu vermitteln. Beispielsweise ein gemeinsamer Freund, dem es gelingt, sich ausreichend abzugrenzen. Wenn die Fronten zu verhärtet sind, kann eine freiwillige und kostenlose Beratung im kjz Unterstützung bieten. Wir können die Eltern dabei unterstützen, eine Ferienplanung zu machen und eine gemeinsame Haltung zu entwickeln. Auch beraten wir bei besuchsbezogenen Unsicherheiten mit konkreten Empfehlungen für den Umgang mit dem Besuchsrecht. Dabei sind wir auch Ansprechpersonen für Kinder, welche unter der Trennung leiden und sich allein nicht ausreichend gehört fühlen. Bei grundsätzlichen Betreuungsregelungen helfen auch die Fachpersonen bei Vaterschaft und Unterhalt.

Reisen mit Minderjährigen

Informationen zum Reisen mit Minderjährigen sowie die Vorlage «Einverständniserklärung für das Reisen mit Minderjährigen» finden Sie auf der Seite des Kantons Zürich zum Download.