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Alleinerziehende Eltern

«Ferienpläne zu schmieden, ist für mich nicht nur einfach schön»

Veröffentlicht am von Oliver Fischer

Den Alltag von alleinerziehenden Eltern können sich Aussenstehende kaum vorstellen. Jede Entscheidung allein treffen, Aufgaben und Verantwortung nicht teilen können. Was auch im Alltag schon anspruchsvoll ist, wird in Ferienzeiten zur zusätzlichen Herausforderung, wie uns eine betroffene Mutter erzählt.

«Als alleinerziehende Mutter hat man sowieso kaum kinderlose Freizeit und in den Ferien fällt die dann einfach komplett weg.» Monika* spricht dabei nicht nur ihre fünf Wochen Ferien an, sondern auch die zusätzlichen acht, die ihr Sohn Samuel* mehr hat als sie selbst. Für die externe Betreuung kann sie dabei zwar auf Unterstützung setzen, wie während der Schulzeit. «Es gibt den Ferienhort und die Grosseltern übernehmen jede Woche den einen oder anderen Tag», erklärt Monika. Aber betreut werde Samuel* in den Ferien nur während ihrer Arbeitszeit.

Für sie ist das Planen der gemeinsamen Ferien der schwierige, der belastendere Teil, denn: Ferien sind immer Ausnahmesituationen. Die Frage, was für beide passt, was sie sich zutraut und ob zu zweit oder mit Freunden oder Verwandten umtreiben Monika* jedes Mal aufs Neue. «Wenn wir zu zweit verreisen, lastet die ganze Zeit über eine riesige Verantwortung auf mir. Da kann ich mich in Notfällen nicht auf mein soziales Netz stützen.»

Dazu kommt eben auch die Frage, ob sie zu eben zweit gehen oder jemanden fragen, ob man zusammen verreisen will. «Wenn wir mit jemand anderem zusammen in die Ferien gehen, schätze ich natürlich die Gesellschaft für uns beide, aber auch, dass ich nicht alle Entscheide selber fällen muss. Und wenn es nur die Frage ist, was wir am Abend essen oder wie das Programm am nächsten Tag aussehen soll», erklärt Monika*. Wichtig sei ihr aber, dass sie sich nicht wie ein Anhängsel der anderen fühle – was wiederum in der Planung für Stress sorgen kann. «Das klingt jetzt alles so schlimm. Aber natürlich freue ich mich auch jedes Mal auf die Ferien und verreise sehr gerne, nur mit meinem Sohn oder mit anderen zusammen.»

Schliesslich befinde sie sich ja noch in einer relativ privilegierten Situation, findet Monika: «Ich habe einen Job mit gleitender Arbeitszeit und bin so viel flexibler und kann mich besser organisieren als wenn ich zum Beispiel in einem Schichtbetrieb arbeiten müsste.» Zudem werde ihr Sohn mit jedem Altersjahr selbständiger, was die Organisation und Planung auch einfacher mache – «hoffe ich zumindest.» Was halt weiterhin bleibe, und sie von Eltern unterscheide, die einfach beide viel Arbeiten, sei alles alleine machen zu müssen und Aufgaben nicht aufteilen zu können, Verantwortung und Risiken immer alleine tragen zu müssen. Und das mit der Freizeit, das werde sich auch nicht so schnell ändern …

*Namen geändert


Informationen und vor allem Hilfe und Tipps für alleinerziehende Eltern finden Betroffene beim Schweizerischen Verband alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV). Dort findet man neben vielem anderem auch einen Artikel zum Thema Ferien als Alleinerziehende*r.

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