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7 Tipps für Gelassenheit im Familienalltag

Den Kindern und sich selber Sorge tragen

Veröffentlicht am von Martin Gessler, AJB

Geht für einmal gar nichts mehr? Fällt Ihnen die Decke auf den Kopf? Kleine Oasen in den eigenen vier Wänden und Nachsicht mit sich selbst sind wirksame Helfer gegen den Koller. Denn ein liebevoller Umgang in der Familie heisst nicht zuletzt: sich selber Sorge tragen.

Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug, Besenstrich für Besenstrich: So arbeitet Beppo, der Strassenkehrer. Er schaut nicht ans Ende der langen Strasse, das würde ihm den Mut rauben. Sondern er denkt nur an den nächsten Schritt, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich. So verzweifelt er nicht an der Länge der riesigen Strasse. Sondern er macht seine Arbeit mit Freude. Beppo, eine Gestalt aus dem Buch «Momo» von Michael Ende, tut genau das, was ihm möglich ist. Und er trägt Sorge zu sich selber. Er lebt vor, was uns hilft, Krisen und Verunsicherung zu überwinden.

Wenn der Lebensraum auf die eigenen vier Wände beschränkt ist, bedeutet das Stress: Haushalt und Erziehung, Schulunterricht und Berufsarbeit finden gleichzeitig statt, auf engem Raum. Auch wer noch auswärts arbeitet, muss sich um die Organisation der Kinderbetreuung kümmern und ist vielleicht bei der Arbeit mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Ängste besetzen uns: Wie viele Menschen werden sterben? Reicht das Geld für Essen, Miete, Krankenkasse? Wie lange gibt’s meinen Arbeitsplatz noch?

Kinder brauchen Hilfe bei den Hausaufgaben. Kinder brauchen Anregungen gegen die Langeweile. Kinder brauchen Ersatz für ihre Spielkameradinnen und –kameraden. Kinder sind verunsichert und nehmen die Verunsicherung der Eltern war. Deshalb brauchen Kinder jetzt besonders viel Zuwendung. Aber Eltern können diese Zuwendung nicht geben, wenn sie total erschöpft sind. Das ist eine Tatsache unabhängig von der Corona-Krise. Deshalb, liebe Mütter und Väter, sorgen Sie gut für sich selbst!

7 Tipps für Sie

Spass

Machen Sie jeden Tag etwas, das Ihnen Spass macht und Entspannung bringt wie Musik hören, lesen, Yoga, Outdooraktivitäten, mit Freunden und Familie telefonieren.

Augen auf für Positives

Nehmen Sie erfreuliche Erlebnisse bewusst war: ein Lächeln, Vogelgezwitscher, ein feiner Kaffee. Und schreiben Sie sich jeden Tag drei Erlebnisse auf, über die Sie sich gefreut haben. Oder nehmen Sie jeden Morgen ein paar Bonbons (oder etwas ähnliches) in eine Hosentasche. Jedes Mal, wenn Sie sich freuen, stecken Sie ein Bonbon in die andere. Wie viele Bonbons haben bis am Abend die Seite gewechselt?

Stress erfassen

Zeichnen Sie auf einem Blatt Papier Säulen für wichtige Lebensbereiche auf (z.B. Kinder, Geld, Beruf, Haushalt, Kontakte, Gesundheit, Hobbies, Partnerschaft …). Je mehr Stress Sie in diesem Lebensbereich empfinden, umso grösser zeichnen Sie die Säule: Was sind Ihre Hauptstressoren? Was bereitet Ihnen weniger Mühe?

Eigene Stärken wahrnehmen

Welche Eigenschaften schätzen Ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen an Ihnen? Was Ihre Familie und Ihre Kinder? Welche Fähigkeiten und Eigenschaften haben Ihnen in früheren Krisen geholfen, Mut zu fassen und Lösungen anzupacken? Können Sie diese nun auch für die vorhin erkannten Säulen nutzen?

Ordnung, Struktur und Abgrenzung

«Wer die Wahl hat, hat die Qual». Das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene. Handeln Sie einen geregelten Tages- und Wochenablauf mit Ihren Kindern aus: Zeit für Hausaufgaben, Essenszeiten, Verteilung von Haushaltarbeiten. Wer darf wann gestört werden und wann nicht? Wer hat wo seinen Arbeitsplatz zu Hause und wo seinen Rückzugsort? Wenn Sie Homeoffice machen: Planen Sie Pausen ein, um einen Kaffee zu trinken oder für einen Kontakt per Telekommunikation.

Nörgeln ist wie Unkraut düngen

Wer einem frustrierenden Tag hinter sich hat, braucht keine Vorwürfe, Ermahnungen und «guten Ratschläge» von einem Besserwisser. Schlucken Sie Ihre Belehrungen in solchen Momenten herunter. Oder wenn Sie selber frustriert sind, sagen Sie, was Sie brauchen, zum Beispiel Ihre Ruhe. Oder jemanden, der zuhört. Verständnis. Oder ein Stück Schokolade.

Beziehung kommt vor Erziehung

Eltern sind Vorbilder. Nichterziehen geht nicht. Was auch immer Sie tun oder lassen, Kinder orientieren sich daran. Denken Sie daran: Sie als Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für Ihre Kinder. Sogar für Pubertierende, die eigene Wege ausprobieren wollen (und müssen). Setzen Sie also in dieser herausfordernden Zeit den Fokus auf eine gute Beziehung zu Ihren Kindern. Wenn Ihre Kinder einmal erwachsen sind, werden Sie sich nicht erinnern, wieviel Schulstoff Sie in der Coronakrise mit ihrem Kind bewältigt und welche Erziehungsakrobatik Sie exerziert haben. Sie werden sich an die Stimmung erinnern, in welcher Sie gemeinsam diese Zeit miteinander erlebt und gemeistert haben.


Elternnotruf: 24 h Hilfe und Beratung von Fachpersonen für Eltern, Familien und Bezugspersonen (Tel. 0848 35 45 55)

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