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Vom Ferienpass bis zum Landdienst

Kinder haben viel mehr Ferien als ihre Eltern – Was tun in dieser Zeit?

Veröffentlicht am von Oliver Fischer

Im Kanton Zürich haben Schulkinder rund acht Wochen mehr Ferien pro Jahr als ihre Eltern. Diese Wochen müssen irgendwie mit Programm und Betreuung gefüllt werden. Zum Glück gibt es dazu eine Vielzahl an Möglichkeiten.

Schulkinder haben im Kanton Zürich auf ein Jahr verteilt 13 Wochen Ferien. Die Eltern im Normalfall vier oder fünf, vielleicht sogar einmal sechs Wochen. In Sachen Kinder-Betreuung stellt das viele Familien vor einigermassen grosse organisatorische Probleme, sobald beide Elternteile arbeiten. Gefragt sind in diesen Fällen Angebote und Betreuungs-Ideen für Kinder, während die Eltern arbeiten müssen.

Manche Familien sind vielleicht in der privilegierten Lage, dass Grosseltern oder Götti und Gotte die eine oder andere Woche innerfamiliäre Ferien mit den Kindern übernehmen können. Wenn man als Eltern zudem einige Ferienwochen getrennt nimmt, deckt das einen weiteren Bedarf ab. Aber ganz auf gemeinsame Familienferien verzichten, will wohl die Mehrheit nicht. Selbst in besten Fällen werden einige Schulferienwochen übrigbleiben.

Je jünger die Kinder noch sind, umso eher existiert aber sowieso eine Betreuung in einer KiTa oder einem Hort, die oft auch Ferienbetreuung anbieten. Und je älter die Kinder werden, umso vielfältiger wird das Angebot an Ferien-Aktivitäten, die ausserhalb der Familie stattfinden.

Sommerlager und Sportcamps

Vereinzelt bereits für Kindergartenkinder, in immer grösserer Anzahl und thematischer Auswahl für Schulkinder, gibt es verschiedene Anbieter von Ferienlagern und -camps. Von Wander- über Zirkus- zu Sport- oder Musik-Lagern findet man fast alles. Die Angebote gehen von Einzeltagen bis zu mehrwöchigen Camps. Als Anbieter und Organisatoren treten kantonale Ämter oder Fachstellen, Stiftungen, Sport-Vereine und -Verbände oder Zweck-Organisationen auf.

Zwar hat diesen Sommer die Corona-Pandemie die Organisation von Ferienlagern beeinträchtigt und manche Angebote mussten abgesagt werden. Doch inzwischen ist klar, dass viele Lager trotzdem stattfinden können und ein Blick auf verschiedene Anbieter-Websites zeigt: es gibt auch jetzt Ende Juni noch eine Vielzahl an Angeboten mit freien Plätzen, die immer noch gebucht werden können.

Sprachaufenthalt im In- und Ausland

Haben Kinder einmal das Teenager-Alter erreicht, gibt es weitere interessante Möglichkeiten, die Ferienzeit zu nutzen. So existieren zum Beispiel unzählige Angebote für ein- bis mehrwöchige Sprachaufenthalte im In- und Ausland. Je nach Sprache, Destination und Anbieter können auch Primarschulkinder schon für eine Französisch-Woche in die Romandie verreisen.

Während Ferienlager oft von öffentlichen Organisationen oder Stiftungen durchgeführt werden und meist zum Selbstkostenpreis verrechnet werden, sind Sprachreisen ein Geschäft für private Anbieter und mit entsprechend höheren Kosten verbunden. Ein fünf-wöchiger Sprachaufenthalt in England kostet pro Kind mehrere Tausend Franken und auch eine Woche innerhalb der Schweiz schlägt noch mit über Tausend Franken zu Buche.

Dank Ferienjobs zum eigenen Geld

Statt in den Ferien nur Geld auszugeben, können Jugendliche ab 13 Jahren auch Geld verdienen. Kleinere Ferienjobs sind rechtlich ab diesem Alter erlaubt. In diesem Alter dürfen Jugendliche maximal die Hälfte ihrer Ferienzeit arbeiten. In dieser Zeit dürfen Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren in den Ferien bis zu acht Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche arbeiten. Mögliche Einsätze sind leichte Garten-Arbeiten, Schulhaus putzen, am Kiosk in der Badi helfen oder Arbeiten auf einem Bauernhof aber auch einfache Büroarbeiten.

Arbeiten im Service in einem Café oder Restaurant sind erst ab 16 Jahren erlaubt, in Bars, Clubs und Discos erst ab 18 und Nacht- oder Sonntagsarbeit und gefährliche Arbeiten erst ab 19 Jahren. Es existieren für die Suche nach Ferienjobs verschiedene Online-Portale. Gerade am Anfang, wenn Jugendliche noch kaum Arbeitserfahrung haben, ist die Unterstützung durch die Eltern aber sehr wichtig. Oft lohnt es sich im privaten und beruflichen Umfeld herumzufragen, ob es irgendwo Arbeitsmöglichkeiten für Teenager gibt.

Pro Juventute empfiehlt für Ferienjobs einen Stundenlohn, der ungefähr dem Alter der Jugendlichen entspricht. Ebenfalls dürfen sich Jugendliche auch für Ferienjobs ein Arbeitszeugnis ausstellen lassen. Dies kann sich schon bei einer baldigen Lehrstellensuche lohnen, oder bei der Ferienjobsuche im kommenden Jahr.

Ferien und Arbeit auf dem Bauernhof

Ein Sonderfall ist der Landdienst. Solche Einsätze dürfen Jugendliche ab 14 Jahren leisten. Dabei wohnen und arbeiten sie mehrere Wochen auf einem Bauernhof und unterstützen die Bauernfamilie im Alltag. Einsätze im Sommer sind üblicherweise ab zwei Wochen möglich, im Frühling und Herbst je nach Angebot auch nur eine. Der Landdienst ist grundsätzlich nicht entlohnt, üblich ist aber eine symbolische Entschädigung pro Arbeitstag, abhängig vom Alter. Inbegriffen sind bei diesen Einsätzen aber immer Kost und Logis. Landwirte und Jugendliche finden sich auf der Website agriviva.ch.

Gerade die Angebote für jüngere Kinder, die gar noch nicht arbeiten dürfen, sind immer mit Kosten verbunden. Und bei vielen Wochen und mehreren Kindern, stossen Familien schnell einmal an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Allerdings gibt es gerade bei den Lager-Anbietern verschiedene Organisationen, die die Kosten für die Teilnahme ans Einkommen der Eltern knüpfen. Das klare Ziel dabei: Kein Kind soll aus materiellen Gründen von ihren Angeboten ausgeschlossen sein.

Interessante Angebote können in solchen Fällen auch die Kulturlegi oder der Ferienpass von Pro Juventute und ZVV sein. Die Kulturlegi richtet sich explizit an Menschen, die nur wenig Geld zur Verfügung haben. Aber auch beim Pro-Juventute-Ferienplausch gibt es eine Vielzahl günstiger Angebote für Kinder und Jugendliche. In der Stadt Zürich haben sich zudem die 17 Gemeinschaftszentren zusammen getan und ein vielfältiges, stadtübergreifendes Ferien-Event-Angebot auf die Beine gestellt

Eltern: Tut Euch zusammen

Aber trotz aller Möglichkeiten kann es immer noch sein, dass man nichts Passendes findet, das einen durch die Ferien bringt, oder es bleiben selbst damit noch Wochen übrig. Nun, Eltern, die sich in solchen Situationen wieder finden, sind damit auch nicht allein. Anderen Eltern geht es genauso. Warum tun Sie sich nicht mit anderen Eltern der Freunde Ihrer Kinder zusammen. Planen sie zusammen Aktivitäten und Ausflüge. Mehrere Elternpaare zusammen schaffen es mit etwas guter Planung eine bis zwei Wochen mit einem Programm für alle Kinder zu füllen und müssen dafür selbst nur je einen oder zwei Tage frei nehmen.

Sind wir ehrlich, niemand hat je gesagt, das Leben mit Kindern organisiere sich ganz einfach. Aber wenn wir uns umschauen, gibt es an ganz vielen Orten Hilfe und Unterstützung. Wir müssen sie nur suchen und annehmen.

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