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Schulunterricht mit Corona-Gefahr

Kinder müssen wieder zur Schule, wie gehen Eltern mit Sorgen und Ängsten um?

Veröffentlicht am von Oliver Fischer

Nach zwei Monaten Ausnahmezustand kehren wir langsam zurück zu einer Form von Normalität, wenn auch immer noch mit Einschränkungen. Dazu gehört auch der Wiederbeginn des obligatorischen Schulunterrichts in den Schulen. Eine schwierige und vielfach verunsichernde Zeit für Eltern und Schulkinder.

Nach fast zwei Monaten, in denen der obligatorische Schulunterricht in Form von Home-Schooling und Fernunterricht stattgefunden hat, besuchen die Schulkinder seit Anfang dieser Woche wieder den Unterricht in den Schulhäusern. Für Kinder und Eltern bedeutet das eine ziemliche Umstellung. Zumal es ja nicht einfach wieder ein Zurück zur Normalität ist, sondern mit Halbklassen-Unterricht und immer noch viel Zeit zuhause weiterhin ein Ausnahmezustand.

Nun ist aber das Corona-Virus, das diese Situation ausgelöst hat, nicht einfach wieder verschwunden und es gelten nach wie vor Einschränkungen und Abstands- und Hygienemassnahmen müssen eingehalten werden. Die Ansteckungsgefahr ist auch nicht einfach weg. Wie also sollen Eltern und Kinder mit der veränderten Situation umgehen? Vielen von ihnen stellen sich dazu sehr konkrete Fragen und man ist nicht einfach frei von Sorgen und Ängsten, wenn man sein Kind wieder in grösseren Gruppen in die freie Wildbahn entlässt.

Einige dieser Fragen beantworten hier die Spezialisten:
Die Antworten auf diese gesundheitsspezifischen Fragen stammen von Dr. Christoph Aebi, Kinderarzt und Infektiologe in der Kinderklinik des Inselspitals Bern. Er ist ausserdem Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie. Auf der Plattform pädiatrie schweiz werden regelmässig Fragen beantwortet.
Die Inputs, Ideen und Tipps zu diesen Fragen stammen von den Fachpersonen der Elternbildung des Amts für Jugend und Berufsberatung Kanton Zürich.

Müssen Kinder mit Vorerkrankungen, die zu Risikogruppen zählen, auch wieder in die Schule?
Alle Kinder, die vor COVID-19 (Corona) die Schule besucht haben, dürfen sie ab dem 11. Mai 2020 wieder besuchen. Die bekannten Risikofaktoren für Erwachsene gelten für Kinder nicht. Nach sorgfältiger Durchsicht aller Daten und nach Rücksprache mit verschiedenen pädiatrischen Spezialistengesellschaften gibt es keine Erkrankungen, die spezifisch für schwere Verläufe von COVID-19 prädisponieren. Einzelne Ausnahmefälle von generell schwerst-infektionsgefährdeten kritisch-kranken Kindern gibt es. Die Basistherapie und die allgemeine Infektionsprophylaxe sind hier rigoros einzuhalten und bei Bedarf der Dialog mit dem zuständigen Fachspezialisten zu suchen.

Müssen Kinder, deren Eltern oder Geschwister zu Risikogruppen gehören, auch wieder in die Schule?
Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) empfiehlt, dass auch in dieser Situation Kinder wieder zur Schule geschickt werden, weil das Risiko sehr klein ist, dass Kinder das Virus aus der Schule nach Hause bringen und weiterverbreiten. Kinder werden selten infiziert und sind selten Indexpersonen für die Übertragung des Virus. Die allgemeinen Hygienemassnahmen zu Hause sind für gefährdete Erwachsene weiterhin wichtig.

Wie sicher ist es für Kinder ab Kindergarten bis Sekundarstufe, wieder in die Schule zu gehen?
Alle bisherigen Studien und Beobachtungen unterstützen die Annahme, dass Kinder beziehungsweise Kinder in der Schule die Epidemie nicht unterhalten. In Schweden sind die Fallzahlen bei unter 20-Jährigen gleich wie in anderen Ländern, obwohl die Schulen nie geschlossen wurden. Das gilt besonders für die Primarstufe, deren Öffnung die SGP den Behörden als Erstmassnahme empfohlen hat. Basierend auf den Fallzahlen in der Schweiz und dem gegenwärtigen Stand des Wissens ist es der richtige Entscheid für Kindergarten, Primar- und Sekundarstufe. Kinder werden selten infiziert und infizierte Kinder sind selten Indexpersonen für die Weiterverbreitung des Virus.

Das Kind will nicht zur Schule, weil es Angst vor einer Ansteckung hat. Was tun?
Dass Kinder je nach Alter, in der aktuellen Situation verunsichert sind und sich sträuben in die Schule zu gehen, ist absolut normal. Egal, ob das Kind 5- oder 15-jährig ist, ist es wichtig, mit ihm über seine Angst zu sprechen. Wovor hat es genau Angst, welche Situationen scheinen ihm unangenehm, unsicher oder gar gefährlich? Woher kommt die Angst genau? Fragen Sie sich da auch, ob das Kind primär Ihre Angst als Eltern wahrnimmt und spiegelt. So oder so, finden Sie gemeinsam mit dem Kind heraus, was ihm helfen kann, mit seiner Angst umzugehen. Erklären Sie ihm, mit welchen Tricks es sich in der Schule bestmöglich vor einer Ansteckung schützen kann – also zum Beispiel Abstand immer einhalten, regelmässig Hände waschen, nichts mit den Händen anfassen, was auch viele andere Kinder und Lehrer anfassen und nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen.

Das Kind freut sich zwar wahnsinnig wieder zur Schule zu gehen, weiss aber nicht, wie es sich dort gegenüber den Kollegen verhalten soll. Was tun?
Während manche Kinder eher ängstlich auf die Rückkehr in die Schule reagieren, werden sich andere wahnsinnig fest darauf freuen, wieder raus zu dürfen, die Kollegen endlich wieder persönlich zu sehen und einfach nicht mehr eingesperrt zu sein. Das verleitet aber auch leicht dazu, unvorsichtig zu werden oder Verhaltensregeln zu vergessen. Wichtig ist es da, die Verhaltensregeln altersgerecht immer wieder in Erinnerung zu rufen. Kindergartenkinder, die nach neuesten Angaben des Bundesamtes für Gesundheit kaum vom Virus betroffen sind, dürfen sich untereinander näher kommen und sollen vor allem gegenüber Lehrpersonen auf Abstand achten. Jugendliche im Sekundarschulalter, die sich vor Corona vielleicht mit Handschlag, Umarmung oder drei Küsschen begrüsst und verabschiedet haben, müssen sich da bewusst anders verhalten. Sprechen Sie sich doch auch mit den Eltern der Kollegen Ihrer Kinder ab, wie streng sie diese Verhaltensregeln durchsetzen und kommunizieren. Wenn alle Kinder die gleichen Regeln mitbekommen, fällt es ihnen einfacher, sich daran zu halten und sich zu erinnern.

Das Kind ist im Home-Schooling arbeits- und lerntechnisch richtig aufgeblüht. Wie können wir das auch in Zukunft weiterziehen?
Kinder, die im Home-Schooling aufgeblüht sind und von der individuell angepassten und passenden Lernumgebung profitiert haben, befürchten vielleicht, im Regelunterricht in alte Muster zurück zu fallen. Setzen Sie sich zusammen und analysieren Sie gemeinsam mit den Kindern, was an der neuen Situation konkret besser funktioniert hat als davor. Finden Sie heraus, welche dieser Punkte die Kinder auch bei normalen Unterrichtsverhältnissen beibehalten wollen und können. Und machen Sie auch gleich einen Plan, wie das zuhause in Zukunft ablaufen soll – sei es zum Beispiel das Erstellen eines Zeitplans, die Gestaltung der Arbeitsumgebung oder Ihr Mitwirken im Arbeits- und Lern-Prozess.


Wenn Ihnen diese Tipps und Massnahmen noch nicht ausreichend sind, oder Sie andere Fragen zu Schule und Erziehung gerade auch in diesen aussergewöhnlichen Zeiten haben, finden Sie hier die Informationen und Daten zu den regionalen kjz in Ihrer Nähe.

Zu medizinischen aber auch zahlreichen anderen Fragen rund um das Corona-Virus und dem Umgang damit im Alltag, finden Sie auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit einen umfassenden Fragen-und-Antworten-Katalog.

Und hier können Sie sich gleich noch das Video des Bundesamts für Gesundheit zum Schul-Wiedereinstieg anschauen:

Quelle Video: Bundesamt für Gesundheit

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