kjz-Ratgeber

Mediennutzung bei Babys und Kleinkindern

Auch für Babys und Klein­kin­der sind Medien bereits Teil ihres Alltags. Für sie zählen aber vor allem analoge Erfah­run­gen und Erleb­nisse: Nähe, Sprache, Bewe­gung und verläss­li­che Zuwen­dung.

In den ersten Lebens­jah­ren lernen Kinder mit dem ganzen Körper. Sie greifen, riechen, schme­cken, hören, schauen in Gesich­ter, reagie­ren auf Stimmen und suchen Nähe. Sie stram­peln, üben das Drehen, machen erste Schritte, hüpfen oder klet­tern. Diese selbst gemach­ten Erfah­run­gen lassen sich nicht durch den Konsum von Medien erset­zen. Hinzu kommt, dass Babys schnelle Bild­wech­sel, Geräu­sche und Geschich­ten noch nicht einord­nen können. Was von aussen ruhig wirkt, kann inner­lich anstren­gend sein. Wichtig ist für Babys wie Klein­kin­der freie Bewe­gung: bei Babys mehr­mals täglich, bei Klein­kin­dern mehrere Stunden – auch an der frischen Luft.

Medi­en­mo­mente bewusst beglei­ten

In den ersten einein­halb Lebens­jah­ren sollten Kinder möglichst keinen Bild­schirm nutzen. Bei Kindern zwischen 1 und etwa 4 Jahren können kurze gemein­same Medi­en­mo­mente vorkom­men: ein Video­te­le­fo­nat mit den Gross­el­tern, Fotos vom Ausflug anschauen, ein einfa­ches Lied hören oder ein kurzes alters­ge­rech­tes Video. Entschei­dend ist dabei nicht nur die Dauer, sondern die Beglei­tung. Kinder bis 4 Jahre sollten Medien nicht allein konsu­mie­ren.

Hinweis: Medi­en­er­zie­hung beginnt bei Babys und Klei­kin­dern vor allem mit der Vorbild­funk­tion der Erwach­se­nen.

Babys merken, ob sie ange­schaut werden, ob jemand auf ihre Laute reagiert und ob eine Bezugs­per­son inner­lich verfüg­bar ist. Wenn Eltern beim Spielen, Stillen, Schöp­peln oder Essen häufig aufs Handy schauen, unter­bricht das die Verbin­dung. Das heisst nicht, dass Eltern nie via Handy erreich­bar sein dürfen. Aber sie sollen im Fami­li­en­all­tag bewusst auf Medien verzich­ten, um die Signale ihrer Kinder unein­ge­schränkt wahr­neh­men und fein­füh­lig darauf reagie­ren zu können.

Reize redu­zie­ren, Bezie­hung stärken

Auch Dauer­be­rie­se­lung lohnt sich zu hinter­fra­gen. Ein laufen­der Fern­se­her, Musik­vi­deos im Hinter­grund oder das Swipen durch den Insta­gram-Feed können kleine Kinder reizen, auch wenn sie schein­bar nicht hinschauen. Für Sprache und Bindung ist es wert­vol­ler, wenn Erwach­sene mit dem Kind spre­chen, Dinge benen­nen, Lieder singen, Bilder­bü­cher anschauen und auf die Reak­tio­nen des Kindes einge­hen. Medien können ergän­zen, nicht erset­zen.

Manch­mal ist ein Bild­schirm im Alltag verlo­ckend: im Restau­rant, im Tram, beim Kochen oder um ein weinen­des Kind zu beru­hi­gen. Solche Situa­tio­nen kennen alle Eltern. Wichtig ist, dass das Gerät nicht zur Stan­dard­ant­wort auf Lange­weile, Frust oder Müdig­keit wird. Kinder lernen Selbst­be­ru­hi­gung schritt­weise – mit Hilfe von Erwach­se­nen, nicht durch Ablen­kung. Wer tröstet, Situa­tio­nen benennt und beglei­tet, gibt dem Kind Werk­zeuge für später mit.

Hand­lungs­im­pulse für den Fami­li­en­all­tag

  • Beschrän­ken Sie Medi­en­mo­mente auf wenige Minuten und beglei­ten Sie Ihr Kind dabei. Ein kurzer Video­an­ruf, ein paar Fotos anschauen oder ein Lied hören sind für Kinder bis 4 Jahre genug. Spre­chen Sie dazu: «Das bist du im Park», «Da winkt Gross­mami», «Jetzt ist das Lied fertig.»
  • Schal­ten Sie Hinter­grund­me­dien aus. Beim Spielen, Essen oder Stillen sollte kein Bild­schirm neben­bei laufen. So entste­hen Ruhe, Blick­kon­takt und Gespräch. Das gilt auch beim Einschla­fen. Denn das von Bild­schir­men abge­ge­bene Blau­licht kann das Einschla­fen erschwe­ren, insbe­son­dere bei länge­rer Nutzung am Abend.
  • Nutzen Sie das Handy nur in Ausnah­me­fäl­len als Beru­hi­gungs­hilfe. Versu­chen Sie, es mit Nähe, Körper­kon­takt, einem Lied, einem Bilder­buch, einem Wechsel der Umge­bung oder einer kleinen Aufgabe im Alltag zu beru­hi­gen.
  • Achten Sie auf die Signale des Kindes. Wird es unruhig, starr, quen­ge­lig oder über­dreht, kann der Bild­schirm zu viel sein. Dann hilft ausschal­ten, trösten und etwas Medi­en­freies anbie­ten (Bauklötze, Knete, Bewe­gung, frische Luft).
  • Wählen Sie alters­ge­rechte Medien aus. Bilder­bü­cher, einfa­che Lieder, Hörge­schich­ten und Fotos aus dem Fami­li­en­all­tag passen meist besser als schnell geschnit­tene Videos, die Kinder über­for­dern. Digi­tale Inhalte sollten langsam, ruhig und über­schau­bar sein.
  • Die analoge Welt ist das wich­tigste Lern­feld: Bewe­gung, Spiel, Sprache und soziale Bezie­hun­gen sollten den Gross­teil der kind­li­chen Erfah­run­gen ausma­chen. Die virtu­elle Welt kann diese realen Erfah­run­gen allen­falls ergän­zen, sollte sie aber keines­falls erset­zen.
  • Seien Sie Vorbild, ohne perfekt sein zu müssen. Legen Sie das Smart­phone weg, wenn Sie mit Ihrem Kind spre­chen. Benen­nen Sie auch Ihr eigenes Verhal­ten: «Ich schreibe diese Nach­richt fertig, dann kommt das Handy weg.» So wird Medi­en­nut­zung sicht­bar und begrenzt.

Hinweis: Schüt­zen Sie die Privat­sphäre Ihres Kindes. Über­le­gen Sie gut, welche Fotos oder Videos Sie mit anderen teilen.

Medi­en­er­zie­hung bei Babys und Klein­kin­dern heisst vor allem, die Bezie­hung zum Kind schüt­zen. Kleine Kinder brau­chen Erwach­sene, die reagie­ren, spre­chen, trösten, spielen und die Welt mit ihnen entde­cken. Wenn Medien selten, kurz und beglei­tet vorkom­men, werden sie nicht zur Dauer­lö­sung. So entsteht von Anfang an ein Fami­li­en­all­tag, in dem Medien zwar Platz haben, aber nur einen begrenz­ten.

Bild­schirm­me­dien in der frühen Kind­heit

Mehr konkrete Tipps und fundierte Infor­ma­tio­nen zum Thema erhal­ten Sie in den «Entwick­lungs­ori­en­tier­ten Empfeh­lun­gen 1» des Marie Meier­ho­fer Insti­tuts für das Kind (MMI).