kjz-Ratgeber

Mediennutzung bei Jugendlichen

Für Jugend­li­che ist das Handy Treff­punkt, Lern­hilfe und Spiel­kon­sole zugleich. Der digi­tale Austausch gehört fest zu ihrem Alltag. Medi­en­er­zie­hung bedeu­tet in diesem Alter: Vertrauen geben, über Risiken spre­chen und Verant­wor­tung einfor­dern.

Ab der Ober­stufe wird die Medi­en­nut­zung persön­li­cher. Jugend­li­che chatten, folgen Influen­ce­rin­nen und Influen­cern, gamen online, schauen Serien, recher­chie­ren für die Schule und probie­ren in den sozia­len Medien aus, wie sie sich zeigen möchten. Das gehört zu ihrer Entwick­lung dazu: Jugend­li­che suchen Zuge­hö­rig­keit, Aner­ken­nung und eigene Räume. Gleich­zei­tig können Likes, Grup­pen­druck, stän­dige Erreich­bar­keit oder Verglei­che mit schein­bar perfek­ten Bildern belas­ten.

Vertrauen und Regeln mit Augen­mass

Eltern stehen damit vor einer neuen Aufgabe. Kontrolle allein passt nicht mehr, Wegschauen aber auch nicht. Hilf­reich ist eine Haltung, die Frei­raum und Beglei­tung zulässt. Jugend­li­che sollen mitent­schei­den, zugleich müssen Erwach­sene den Rahmen setzen: Schlaf, Schule, Gesund­heit, respekt­vol­ler Umgang und Sicher­heit sind nicht verhan­del­bar. Die Ausge­stal­tung hinge­gen kann gemein­sam fest­ge­legt werden.

Bei Jugend­li­chen funk­tio­niert ein wöchent­li­ches Bild­schirm­zeit-Budgets, das die Jugend­li­chen selbst verwal­ten dürfen, oft besser als tägli­ches Minu­ten­zäh­len. So lernen sie Verant­wor­tung zu über­neh­men und Prio­ri­tä­ten zu setzen. Bild­schirm­freie Zeiten sollten aber gelten beim Essen, Lernen, bei Fami­li­en­ge­sprä­chen und in der Nacht. Abends hilft eine einfa­che und verbind­li­che Regel: Das Handy bleibt ausser­halb des Schlaf­zim­mers. So ist die Verlo­ckung kleiner, zu chatten oder zu gamen – und die Jugend­li­chen kommen leich­ter zur Ruhe.

Diffe­ren­zierte Regeln auch bei Games

Beson­ders gefähr­det für eine proble­ma­ti­sche Nutzung von Games sind männ­li­che Jugend­li­che. Die Adoles­zenz ist eine anspruchs­volle Phase, in der Fragen nach Iden­ti­tät, Auto­no­mie und Zuge­hö­rig­keit zentral sind. Fühlen sich Jugend­li­che belas­tet oder im Alltag nicht wohl, können digi­tale Medien und Games zu einem Rück­zugs­ort werden. Games spre­chen Bedürf­nisse wie Selbst­wirk­sam­keit, Kontrolle, Aner­ken­nung und Gemein­schaft an. Proble­ma­tisch wird es, wenn Schlaf, Schule, Freund­schaf­ten oder andere Inter­es­sen dauer­haft darun­ter leiden. Eltern sollten deshalb nicht nur fragen: «Wie lange spielst du?», sondern auch: «Was gefällt dir daran?», «Mit wem spielst du?» und «Wann merkst du, dass es genug ist?» So lässt sich Selbst­re­gu­la­tion fördern, ohne sofort in einen Macht­kampf zu geraten.

Den Umgang mit sozia­len Medien kritisch beglei­ten

Auch soziale Medien brau­chen Beglei­tung. Filter, Bild­be­ar­bei­tung und sorg­fäl­tig ausge­wählte Inhalte können ein verzerr­tes Bild von Ausse­hen, Erfolg und Alltag vermit­teln. Hilf­rei­che Fragen sind: «Zeigen diese Bilder und Videos das echte Leben?» oder «Wie fühlst du dich, wenn du Beiträge von Influen­ce­rin­nen, Influen­cern oder anderen Jugend­li­chen anschaust?» Wichtig ist zudem, die Jugend­li­chen für Privat­sphäre und Persön­lich­keits­rechte zu sensi­bi­li­sie­ren: Bilder können weiter­ge­lei­tet werden, Profile gefälscht sein und vor dem Posten oder Verschi­cken von Fotos braucht es die Zustim­mung der abge­bil­de­ten Perso­nen. Sinn­voll sind private Profile, starke Pass­wör­ter, Zwei-Faktor-Authen­ti­fi­zie­rung und ein spar­sa­mer Umgang mit persön­li­chen Angaben wie Adresse, Schule oder Stand­ort.

Heikle Themen recht­zei­tig anspre­chen

Eltern sollten ruhig und konkret über Sexting, Porno­gra­fie, Cyber­g­roo­ming, Hass­rede und Cyber­mob­bing spre­chen. Jugend­li­che brau­chen Infor­ma­tio­nen, nicht Scham. Sexting kann Teil eines Flirts oder einer Bezie­hung sein, ist aber riskant, wenn Druck, Erpres­sung oder Weiter­ver­brei­tung dazu­kom­men. Gerät ein intimes Bild einer minder­jäh­ri­gen Person in Umlauf, sollten Eltern Fach­stel­len beizie­hen und/oder die Polizei einschal­ten. Wichtig: von sexua­li­sier­ten Bildern Minder­jäh­ri­ger keine Screen­shots zur Beweis­si­che­rung machen.

Bei Cyber­mob­bing gilt es, die betrof­fene Jugend­li­che oder den betrof­fe­nen Jugend­li­chen ernst zu nehmen, die Vorfälle in der Schule zu melden und Unter­stüt­zung zu holen. Betrof­fene sollen nicht allein reagie­ren müssen. Entschei­dend ist auch, dass Jugend­li­che wissen: Auch wenn sie selbst etwas Unklu­ges getan haben, dürfen sie zu Hause auf Hilfe zählen.

Hand­lungs­im­pulse für den Fami­li­en­all­tag

  • Führen Sie regel­mäs­sig Gesprä­che über Medien. Fragen Sie: «Was macht dir online Spass?», «Was stresst dich?», «Was würdest du tun, wenn jemand dir gegen­über Druck macht?».
  • Schrei­ben Sie Regeln auf. Halten Sie fest, wann Geräte Pause haben, welche Apps erlaubt sind, wie mit Käufen umge­gan­gen wird, was nachts gilt und welche Konse­quen­zen folgen.
  • Über­prü­fen Sie Regeln gemein­sam. Was mit 12 Jahren passt, kann mit 15 zu eng sein. Mehr Frei­heit kann an Verläss­lich­keit gebun­den werden: Wer Abma­chun­gen einhält, erhält mehr Spiel­raum.
  • Spre­chen Sie über Algo­rith­men. Erklä­ren Sie, dass Platt­for­men zeigen, worauf man reagiert. Wegkli­cken, Melden und andere Accounts verän­dern den Feed.
  • Stärken Sie den Daten­schutz im Alltag: Stand­ort aus, Profile privat, keine Fremden in Chats, keine intimen Bilder, keine persön­li­chen Daten in Games oder sozia­len Medien.
  • Achten Sie auf Warn­zei­chen. Über­mü­dung, Rückzug, Leis­tungs­ab­fall, Gereizt­heit, heim­li­che Nutzung oder verlo­rene Inter­es­sen sind Gründe, um hinzu­schauen.
  • Bleiben Sie Vorbild. Auch Erwach­sene sollen am Tisch nicht ständig aufs Handy schauen. Offline-Zeiten wirken glaub­wür­di­ger, wenn sie für alle gelten.

Hinweis: Schüt­zen Sie die Privat­sphäre Ihres Kindes. Über­le­gen Sie gut, welche Fotos oder Videos Sie mit anderen teilen.

Jugend­li­che brau­chen Vertrauen – und Erwach­sene, die präsent sind. Medi­en­er­zie­hung wird in dieser Phase weniger zur Kontrolle einzel­ner Klicks und mehr zur Beglei­tung in Verant­wor­tung. Eltern, die zuhören, klare Leit­plan­ken setzen und bei Proble­men ruhig bleiben, geben Jugend­li­chen etwas Wich­ti­ges mit: Sie dürfen digi­tale Räume nutzen, ohne mit deren Risiken allein zu sein.