kjz-Sprechstunde

«Meine Tochter ist im Ablösungsprozess. Wie kann ich unsere gemeinsame Zeit pflegen?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind wir auch bei grösster Elternliebe froh um etwas professionelle Unterstützung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erziehung weiss das Experten-Team unserer kjz-Sprechstunde Rat. Kompetent, anonym und unkompliziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Meine Tochter (13) und ich haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Wir gönnen uns immer mal wieder Zeit zu zweit, wie zum Beispiel ein Mittagessen auswärts, einen gemeinsamen Filmabend oder einen Shoppingtag. Ich geniesse diese Zeit. Auch kann ich mich dann voll und ganz auf sie konzentrieren, was im Alltag neben ihren lebhaften Zwillingsbrüdern (8) manchmal etwas zu kurz kommt. Mittlerweile möchte meine Tochter allerdings zunehmend Dinge mit ihren Freundinnen unternehmen, die sie unserer gemeinsamen Zeit auch mehr und mehr vorzieht. Mir ist bewusst, dass dies zum «Abnabelungsprozess» dazugehört. Jedoch vermisse ich unsere gemeinsamen Unternehmungen. Was kann ich tun, damit wir unser gutes Verhältnis mit den gemeinsamen Auszeiten aufrechterhalten können?
A. S., Mutter aus Adliswil

Liebe Frau S.

Es ist sehr schön, haben Sie und Ihre Tochter so ein gutes Verhältnis zueinander. Das ist eine wichtige Grundlage für die Entwicklung Ihrer Tochter und auch für die Weiterführung einer guten Eltern-Kind-Beziehung.

Wenn Sie nun merken, dass der «Abnabelungsprozess» begonnen hat, bedeutet dies; Ihre Tochter fühlt sich in ihrer Entwicklung sicher genug, um emotional von ihren Eltern unabhängiger zu werden und im Gegenzug Geborgenheit und Zugehörigkeit bei gleichaltrigen Freunden zu suchen. Dieser Ablösung sind sich Jugendliche oft nicht wirklich bewusst. Eltern hingegen leiden darunter, von ihren Kindern nicht mehr so viel Zuwendung zu bekommen.

Es ist nicht so, dass Eltern für die Jugendlichen gar nichts mehr bedeuten würden. Im Gegenteil. Sie brauchen sie vielmehr in einer Weise, die verwirrend sein kann; sie brauchen Geborgenheit, aber auf Distanz und sie brauchen Gespräche, aber dosiert und mit Respekt – sowohl für ihre Eigenständigkeit als auch für ihre Privatsphäre. Bei den Gesprächen soll es vor allem ums Zuhören gehen. Jugendliche wollen nicht, dass man die Probleme für sie löst, sondern ein Gegenüber haben, das ihnen beim Nachdenken hilft und Mitgefühl hat.

In diesem Entwicklungsprozess Zuwendung und Liebe einzufordern, kann zur Folge haben, dass sich Jugendliche zurückziehen. Versuchen Sie daher, nicht am Gewohnten festzuhalten, sondern unterstützen Sie Ihre Tochter bei der Ablösung. Lassen Sie sie ihre Freunde zu sich nach Hause einladen, ohne allzu präsent zu sein. Gehen Sie zu Veranstaltungen in die Schule, aber lassen Sie Ihre Tochter danach noch mit den Freunden bleiben. Lassen Sie ihr Freiheit, wenn sie mal eher der Teenager ist, und geben Sie ihr Geborgenheit, wenn sie mal mehr das Kind ist. Ihre Tochter wird für diese Flexibilität dankbar sein.

Maria Raquel Joris (Erziehungsberaterin) und das kjz-Team

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