kjz-Sprechstunde

«Nimmt mein Kind (4) Schaden, wenn es zu früh in meine neue Beziehung involviert wird?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind wir auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um etwas profes­sio­nelle Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Exper­ten-Team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Meine Frau und ich haben uns im letzten Novem­ber getrennt. Seit diesem Februar habe ich eine neue Part­ne­rin. Seither strei­ten meine Frau und ich über die Frage, ab wann unsere gemein­same vier­jäh­rige Tochter Zeit mit meiner neuen Part­ne­rin verbrin­gen darf und wann wir gemein­sam (Part­ne­rin, Tochter und ich) in die Ferien fahren dürfen.
Kann ein Kind Schaden nehmen, wenn es zu früh in die neue Bezie­hung invol­viert wird? Woran erkenne ich den rich­ti­gen Zeit­punkt?

Lieber Vater

Kindern geht es gut, wenn es den Eltern gut geht. Deshalb müssen Eltern nach der Tren­nung wieder ins Gleich­ge­wicht kommen. Dies gelingt ihnen, wenn ihr Bedürf­nis nach Gebor­gen­heit, nach sozia­ler Akzep­tanz, nach etwas tun oder leisten zu können, befrie­digt wird. Eine neue Bezie­hung kann die Bedürf­nisse stillen, doch sollte die Bezie­hung zum Kind nicht darun­ter leiden. Eine neue Part­ne­rin, ein neuer Partner sollte erst dann einge­führt werden, wenn die part­ner­schaft­li­che Bezie­hung trag­fä­hig ist.

Der Aufbau einer Part­ner­schaft braucht Zeit und Kraft. Die Bezie­hung wird durch das gegen­sei­tige Kennen­ler­nen, durch gemein­same Unter­neh­mun­gen und gemein­same Wochen­en­den ohne Kinder gefes­tigt.

Ihre Tochter darf neugie­rig sein, doch über­for­dern Sie Ihre Tochter und Ihre Part­ne­rin nicht, indem Sie zu früh gemein­same Wochen­en­den bzw. Ferien planen. Für Ihre Tochter wird das Kennen­ler­nen der neuen Part­ne­rin verun­si­chernd und heraus­for­dernd sein. Gehen Sie es deshalb behut­sam an. Inte­grie­ren Sie Ihre Part­ne­rin langsam, indem Sie zuerst nur stun­den­weise gemein­same Zeit mit Ihrer Tochter verbrin­gen. Sie können dadurch vermei­den, dass Ihre Verfüg­bar­keit, Zuwen­dung und Aufmerk­sam­keit für Ihre Tochter unter der neuen part­ner­schaft­li­chen Bezie­hung zu kurz kommen.

Der rich­tige Zeit­punkt für gemein­same Wochen­en­den bzw. Ferien wird dann sein, wenn Ihre Part­ne­rin Zeit, Geduld und die Bereit­schaft aufbringt, sich emotio­nal auf Ihre Tochter einzu­las­sen.

Ich empfehle Ihnen, es ruhig anzu­ge­hen. Geben Sie sich und Ihrer Part­ne­rin Zeit, um die part­ner­schaft­li­che Bezie­hung zu festi­gen, und geben Sie Ihrer Part­ne­rin und Ihrer Tochter Zeit, um eine trag­fä­hige Bezie­hung aufbauen zu können.

Übri­gens: Auf der Seite Eltern in Tren­nung finden Sie zahl­rei­che Infor­ma­tio­nen, wie Eltern ihre Kinder in dieser Situa­tion best­mög­lich unter­stüt­zen können.

Ich wünsche Ihnen dabei alles Gute!

Simone Gruen (Erzie­hungs­be­ra­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».