kjz-Sprechstunde

«Wie lernt unser Sohn (4), Spielsachen mit anderen Kindern zu teilen?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind wir auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um etwas profes­sio­nelle Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Exper­ten-Team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Ich bin Vater zweier Kinder. Unser jünge­rer Sohn kommt dieses Jahr in den Kinder­gar­ten. Seit er zwei Jahre alt ist, vertei­digt er sein Spiel­zeug massiv gegen­über anderen Kindern. Wir können uns fast nicht in einer Gruppe mit anderen Kindern aufhal­ten, da er immer alles für sich haben möchte. Er wird wütend und verzwei­felt, wenn wir mit ihm Verein­ba­run­gen treffen möchten (z. B. «Bis zum Znüni darfst du es haben, danach musst du es abgeben.»). Ich befürchte, dass sich sein Verhal­ten im Kinder­gar­ten noch verschlech­tert. Was können wir als Eltern tun?
J. K.

Lieber Herr K.

Der Kinder­gar­ten startet im kommen­den Sommer. Er ist für jedes Kind und seine Eltern ein grosser Schritt. Ich verstehe Ihren Wunsch, den Sohn so gut wie möglich auf den Eintritt vorbe­rei­ten zu wollen.

Ihrem Sohn berei­tet es noch Mühe, sich in einer Gruppe zu inte­grie­ren, zu teilen und seine Emotio­nen zu regu­lie­ren. Machen Sie sich darüber keine Sorgen. Die Entwick­lung der Kinder ist indi­vi­du­ell und folgt dem eigenen Tempo.

Wie Sie schrei­ben, ermög­li­chen Sie Ihrem Kind, Grup­pen­er­leb­nisse zu üben und Erfah­run­gen zu machen. In diesen Situa­tio­nen dürfen und sollen Sie sich als Eltern gerne zurück­neh­men. Gehen Sie in die Beob­ach­ter­rolle und bleiben Sie für Ihr Kind verfüg­bar, wenn es Sie braucht.

Sie schil­dern die Gemüts­lage Ihres Sohnes sehr gut. Verzweif­lung und Wut sind sehr starke Gefühle. Mögli­cher­weise treten sie in grös­se­ren Gruppen stärker auf, weil Ihr Sohn dann über­for­dert ist. Regeln sind wichtig für das Zusam­men­le­ben, diese gelten für alle glei­cher­mas­sen. Beden­ken Sie, dass wir Verein­ba­run­gen häufig aus der Sicht von uns Erwach­se­nen treffen. Sie können vom Kind als unge­recht empfun­den werden und diese starken Gefühle auslö­sen.

Kleine, gleich­blei­bende Gruppen mit Kindern, die sich regel­mäs­sig treffen, können Ihrem Sohn helfen, seinen Platz in der Gruppe zu finden.

Teilen will gelernt sein. Es muss aber nicht immer und alles geteilt werden. Gefühle werden dabei auf beiden Seiten ausge­löst und sind wichtig. Kinder in diesem Alter sind durch­aus in der Lage, kleine Konflikte selber zu lösen.

Bis zum Sommer bleiben noch acht Monate Entwick­lungs­zeit für alle Kinder, die dann in den Kinder­gar­ten starten. Da kann sich noch vieles verän­dern.

Ermög­li­chen Sie Ihrem Sohn weiter­hin Erleb­nisse, Erfah­run­gen und Emotio­nen, an denen er wachsen kann. Schen­ken Sie ihm Vertrauen, damit er Dinge auf seine Art zu lösen lernt. Und bleiben Sie für ihn verfüg­bar als Rück­halt und Orien­tie­rung.

Monika van Berkum-Ehni (Mütter- und Väter­be­ra­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».