kjz-Sprechstunde

«Ich möchte, dass die Übergaben von Raphael (4) künftig ohne seine Mutter stattfinden»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind wir auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um etwas profes­sio­nelle Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Exper­ten-Team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Bei den Über­ga­ben unseres gemein­sa­men Kindes Raphael (4) kommt es oft zu Streit oder Miss­ver­ständ­nis­sen. Wir haben beide 50 Prozent Sorge­recht. Ich möchte diese Über­ga­ben künftig ohne Beisein der Mutter von Raphael. Können Sie mir weiterhelfen?
Die Mutter hat alle Kommu­ni­ka­ti­ons­ka­näle zu mir getrennt. Ich kann sie nicht mehr errei­chen und brauche drin­gend Hilfe. Ich vermisse Raphael sehr. Ich war ein Jahr lang obdach­los und konnte letzte Woche eine Wohnung über­neh­men. Seine Mutter brachte ihn nicht vorbei wegen eines Zwischen­falls, den sie abklä­ren wollte.

Vater S. K.

Lieber Herr K.

Vielen Dank für Ihre Frage. Wir können Ihren Wunsch gut verste­hen und werden versu­chen, eine hilf­rei­che Antwort zu schrei­ben. Da konkrete Angaben in Ihrem E-Mail fehlen, können wir Ihre Frage nicht abschlies­send beant­wor­ten.

Ihrer E-Mail entneh­men wir, dass Sie und die Mutter von Raphael sehr starke Konflikte haben, die bei den Über­ga­ben aufbre­chen. Ihr Sohn ist diesen Ausein­an­der­set­zun­gen ausge­setzt, was ihn verun­si­chert und verängs­tigt. Eine Möglich­keit wäre, dass die Über­ga­ben von Raphael vorüber­ge­hend nicht direkt zwischen Ihnen und seiner Mutter statt­fin­den. Als Über­ga­be­be­glei­tung käme eine vertraute, erwach­sene, neutrale Person aus dem Umfeld von Raphael in Frage. Sollten Sie in Ihrem Umfeld keine geeig­nete Vertrau­ens­per­son haben, gibt es profes­sio­nelle Einrich­tun­gen und Perso­nen, die das über­neh­men können.

Für eine solche profes­sio­nelle Lösung wenden Sie sich bitte an das Kinder- und Jugend­hil­fe­zen­trum (kjz), das für Ihren Wohnort zustän­dig ist. Im kjz können Sie sich als Vater tele­fo­nisch oder vor Ort kosten­frei und vertrau­lich von einer Sozi­al­ar­bei­te­rin oder einem Sozi­al­ar­bei­ter beraten lassen. Für die Orga­ni­sa­tion von Kontakt­recht und den Über­ga­ben ist es in der Regel notwen­dig, dass beide Eltern­teile in die Bera­tung kommen. Sollte dies nicht möglich sein, wird Sie die Fach­per­son darüber infor­mie­ren, welche weite­ren Möglich­kei­ten Ihnen offen­ste­hen.

Der kleine Raphael befin­det sich in einer beson­de­ren Situa­tion. Seine Eltern leben getrennt. Es wäre für ihn wichtig, dass er mit Mama und Papa schöne, unbe­schwerte und vertrau­ens­volle Zeiten erlebt. Dazu gehört, dass Raphael Zeiten mit seinem Papa verbrin­gen darf, die regel­mäs­sig und verbind­lich sind und nicht wegen Konflik­ten auf der Elterne­bene abge­sagt werden. Dafür wäre eine Klärung der Wünsche, Anlie­gen und Sorgen unter Ihnen als Eltern erfor­der­lich – mit Blick auf die gesunde Entwick­lung Ihres gemein­sa­men Kindes.

Die Sozi­al­ar­bei­te­rin­nen und Sozi­al­ar­bei­ter der kjz beglei­ten Sie gerne auf dem Weg zu einer gemein­sa­men Lösung.

Anna Gygax (Sozi­al­ar­bei­te­rin), Monika van Berkum-Ehni (Mütter- und Väter­be­ra­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».