Auswärtsschlafen und Klassenlager

Was tun bei Heimweh?

Hurra, ab ins Lager und rein ins Abenteuer – wäre da nur nicht die Sorge vor dem Heimweh. Ein bisschen Heimweh ist ganz normal. Dauert es aber zu lange, ist der Lagerspass schlicht nicht lustig, weder für Kinder noch für Eltern. Eine gute Vorbereitung und ein paar Tricks helfen, das quälende Gefühl im Griff zu haben.

Ideen für Vorfreude vor dem Lager | Ideen für Sicherheit vor dem Lager | Strategien gegen Heimweh ausdenken | Tipps für den Kontakt während des Lagers

Lager sind im Kanton Zürich für Kinder und Jugendliche wieder zugelassen. Der Spass steht also vor der Türe – kleinere oder grössere Ängste davor womöglich aber auch. Eines vorweg: Kinder mit Heimweh sind nicht ungewöhnlich. Es ist normal, dass ein neues Umfeld und das Fehlen der bekannten Geborgenheit verunsichern können. Auf diese Unsicherheit mit Heimweh als Form einer Minitrauer zu reagieren, ist eine gesunde Reaktion. Mit guter Unterstützung der Bezugspersonen können Kinder lernen, damit umzugehen und meist sind auch nur die ersten ein bis zwei Tage bis zur Angewöhnung schwierig – danach nimmt Heimweh schnell von alleine ab.

Als Eltern sollte man sich aber bewusst sein, dass die eigene Haltung und insgeheimen Erwartungen für das Kind spürbar sind. Allgemein hilft es, wenn die Gefühle und Befürchtungen des Kindes ernst genommen werden und das Bevorstehende gemeinsam besprochen wird – der Spass und das Positive dabei aber immer wieder im Vordergrund stehen. Mögliche Strategien als Rüstzeug für «Notfallsituationen» machen die Vorfreude um ein Vielfaches einfacher und geben dem Kind Sicherheit, sodass es sich auch fern von seinem Zuhause wohl fühlen und notfalls selber helfen kann.

Ideen für Vorfreude vor dem Lager

  • mögliche schöne Erfahrungen ausmalen, die im Lager auf das Kind warten könnten (neue Freunde, das Gefühl einer Grossfamilie, ein schöner Ort, viel Programm, neu Gelerntes etc.)
  • das Programm gemeinsam anschauen und sich auf mögliche Highlights freuen
  • auch das Programm der Eltern in der Abwesenheit des Kindes besprechen, sodass für das Kind spürbar wird: Beide freuen sich auf diese Woche, es ist für beide etwas Gutes und Aufregendes.
  • von eigenen positiven Erfahrungen von früher erzählen
  • das Wiedersehen planen, als etwas, worauf sich beide Seiten nach einer Woche wieder freuen (z. B. mit einem ausführlichen Lagererzählabend mit Fotoshow, mit dem gemeinsamen Kochen des Lieblingsmenüs etc.)
  • den Abschied positiv gestalten
  • ein Lagerdiplom oder ähnlich kreieren, um die Errungenschaft und Erfahrung des Kindes anzuerkennen

Ideen für Sicherheit vor dem Lager

  • das Leiterteam vorher googeln
  • das Leiterteam vorher einmal anrufen / kennenlernen
  • das Auswärtsschlafen vorher üben
  • zuvor zusammen hinfahren und sich mit der Gegend vertraut machen
  • über die Ängste des Kindes reden und von eigenen Erfahrungen mit solchen Ängsten erzählen
  • klären, an wen sich das Kind im Lager wenden kann (Telefonnummer speichern)
  • besprechen, bei wem sich das Kind in der Nacht melden soll (bei welcher Leiterperson und klären, wo diese schläft)
  • besprechen, wie das Kind mit ungewohntem Essen oder Essensabläufen umgehen soll
  • Möglichkeiten besprechen, wie das Kind Anschluss finden kann (z. B. im Lager zuerst zu einem einzelnen Kind dazusetzen, eine Frage stellen oder etwas erzählen)
  • vorher zusammen abmachen, in welchen Fällen das Kind anrufen oder schreiben soll
  • vorher zusammen abmachen, in welchen Fällen die Eltern schreiben (möglichst auf ein Minimum reduzieren)
  • bei grosser Sorge vor Heimwehgefühlen, evtl. vorher das Team informieren

Strategien gegen Heimweh ausdenken

  • ein Couvert mit Briefpapier, Adresse und Briefmarke drauf mitgeben zum Schreiben und Verschicken in schwierigen Momenten
  • Lagertagebuch über schöne und weniger schöne Momente führen und nach der Lagerwoche dieses zuhause zeigen und besprechen dürfen
  • «Heimwehtabletten» für den Notfall (Smarties o. ä.)
  • ein Kuscheltier mitnehmen und diesem die eigenen Sorgen erzählen
  • den Mut zusammennehmen und bei einem Spiel mit den anderen Kindern mitmachen
  • besprechen oder auch gemeinsam einüben, wie sich das Kind in der Nacht melden soll (den Mut haben, zu klopfen und sich mitzuteilen)
  • wenn es schlimm ist, trotzdem noch versuchen, 24 h länger auszuhalten

Tipps für den Kontakt während des Lagers

  • Handykontakt möglichst vermeiden
  • bei Anrufen gelassen bleiben
  • Verständnis zeigen, zuhören, ernst nehmen, nachfragen und Lösungen suchen, wie sich das Kind verhalten könnte
  • das Kind nur abholen, wenn es auch nach Tagen noch stark leidet
  • sich bewusst sein, dass das Kind gerade grossartige Lernerfahrungen von Selbstständigkeit macht