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Dos und Don'ts bei Geschwisterstreit

Wenn’s kracht im Kinderzimmer

Veröffentlicht am von Fiona Feuz, AJB

Welche Eltern kennen ihn nicht: den Geschwisterzoff. Sogar bei bisher friedlichen Kindern kann das ständige Aufeinandersitzen zu Reibereien führen. Für viele Eltern eine echte Geduldsprobe. Doch im Streit lernen Kinder Kompromisse zu schliessen und sich wieder zu versöhnen. 

«Meine Kinder sitzen viel mehr aufeinander, es gibt keinen Puffer mehr, alle Frustrationen lassen sie aneinander aus», erklärt Nadia Bisang, Mutter von drei Kindern. Diese Erfahrungen machen aktuell viele Eltern. Angestaute Energie, Bewegungsdrang und fehlender Austausch mit Gleichaltrigen, da braucht es nicht viel, bis es Zuhause knallt. Ein falsches Wort oder das Feuerwehrauto der Schwester, mit dem das Jüngste heimlich spielt, können reichen, um sich in die Haare zu geraten.

Kinder wenn möglich machen lassen

Für Eltern sind Streitereien unter den Kindern oft schwer auszuhalten. Vor allem, wenn es etwas heftiger zu und her geht. Muss man nebenher noch im Homeoffice arbeiten, können die lauten Auseinandersetzungen zur Tortur werden. Da ist man motiviert, die Streithähne schnell auseinander zu ziehen und wieder Ruhe ins Ganze zu bringen. Aber auch wenn es einem nicht leicht fällt: Es hilft wenig, die Schiedsrichterin oder den Schiedsrichter zu spielen. Selten bekommen die Eltern genau mit, wie es zum Streit kam. Das führt häufig zu falschen Schuldzuweisungen und die Kinder fühlen sich ungerecht behandelt. Besser ist es meistens, den Kindern zu vertrauen und sie den Konflikt bis zu einem gewissen Grad unter sich ausmachen zu lassen. Oft gelingt es Kindern nämlich, den Streit ohne fremde Hilfe zu beenden.

Streitregeln festhalten

Für einen Streit der Kinder vorab einige Regeln aufzustellen, ist aber hilfreich. Es unterstützt sie darin, ihre Konflikte fair auszutragen und hilft, gewisse Grenzen beim Streiten einzuhalten. Einfache Grundsätze, wie ‹Beissen ist verboten› oder ‹Keine spitzen Gegenstände benutzen› sind wirkungsvoll. Kinder befolgen diese meist besser, wenn die Regeln gemeinsam besprochen und aufgestellt werden. Mit kleineren Kindern können diese auch gezeichnet werden.

Jeder darf seinen Bereich haben

Das Aufeinandersitzen führt dazu, dass sich die Kinder mehr vergleichen, erklärt Nadia. «Meine älteste Tochter hatte Geburtstag und stand an diesem Tag im Mittelpunkt, das haben die anderen beiden gar nicht ertragen.» Für Kinder ist es nicht einfach, solche Situationen auszuhalten. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern im Alltag die Stärken der einzelnen Kinder betonen und sie nicht untereinander vergleichen. Dass Kinder ihren eigenen Bereich haben dürfen und nicht alles teilen müssen, kann ebenfalls helfen. Dies kennt auch Nadia: «Wir haben eine feste Mittagspause, da gehen alle in ihre Zimmer und machen etwas für sich. Das entlastet uns alle.» Dabei ist es auch wichtig, dass die Eltern sich selbst Sorge tragen (Lesen Sie dazu Den Kindern und sich selber Sorge tragen), da die Streitereien unter den Kinder sehr anstrengend sein können.

Ernst nehmen, zuhören, neutral bleiben

Schaffen es die Kinder nicht mehr, einen heftigen Streit selber zu lösen, oder werden die Streitregeln nicht befolgt, kommen die Eltern zum Zuge. Dann ist wichtig, dass sie

  • wenn es gefährlich wird, die Streithähne trennen
  • die Gefühle aller Kinder ernst nehmen und Verständnis für ihre Probleme zeigen
  • allen am Streit Beteiligten aufmerksam zuhören – und bei kleineren Kindern helfen, die Situation und Gefühle in Worte zu fassen
  • möglichst neutral bleiben, dann wirken sie deeskalierend
  • nachfragen, ob die Kinder Ideen für Lösungen haben
  • anbieten, bei der Lösungssuche mitzuhelfen

Das Eingreifen der Eltern soll nicht das Ziel haben, dass «einfach Ruhe herrscht». Es geht darum, die Kinder einerseits falls nötig zu schützen und sie andererseits in ihrer Konfliktfähigkeit zu stärken. Je nach Alter und Charakter braucht es immer mal wieder Unterstützung, oder auch bald weniger. So lernen Kinder nicht nur, sich zu behaupten und ihre Meinung zu vertreten, sie müssen auch aktiv Kompromisse schliessen und sich wieder versöhnen. Und sie lernen, die eigenen Grenzen und die Grenzen anderer kennen und sie zu respektieren. «Meine Kinder verhandeln in dieser Zeit viel miteinander, so möchte mein Sohn oft Piraten spielen und meine Tochter mit Puppen, jetzt spielen sie ‹Baby-Piraten›, erzählt Nadia lächelnd. «Wie schwierig diese Zeit auch ist, es ist schön zu sehen, welche kreativen Möglichkeiten sie finden, um die jeweiligen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen.»

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