Die kjz-Sprechstunde

«Wie bekomme ich meine Familie dazu, im Haushalt zu helfen?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu ist sogar die grösste Elternliebe froh um etwas professionelle Unterstützung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erziehung weiss das Experten-Team unserer kjz-Sprechstunde Rat – kompetent, anonym und unkompliziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz-Team

Ich bin Mutter von zwei Kindern, 10 und 13 Jahre alt, und lebe mit meinem Mann im Kanton Zürich. Früher war ich Vollzeit-Hausfrau und habe den Haushalt alleine geschmissen. Vor einigen Monaten habe ich eine Teilzeitstelle angenommen und arbeite im Homeoffice. Diese neue Situation verlangt, dass die ganze Familie mehr im Haushalt anpackt. Ich habe es schon öfters angesprochen, aber weder Mann noch Kinder rühren von sich aus einen Finger. Ich will nicht ständig mahnen und kontrollieren müssen. Einen strikten Ämtliplan wollte ich eigentlich vermeiden. Ich habe gehofft, wir kriegen das auch so hin – wenn alle mithelfen. Wie kann ich ihnen klar machen, dass der Haushalt nun alle etwas angeht?
R. B., Mutter aus Zürich

Liebe Frau B.

Der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben ist meist aufregend und anstrengend zugleich. Zu Hause bedeutet das für eine ehemalige Vollzeit-Hausfrau nicht selten auch, gegen äussere und innere Widerstände kämpfen zu müssen.

Oft ist dem Partner/der Partnerin (und einem selbst) nicht klar, wie gross der Arbeitsumfang ist, der nun neu aufgeteilt werden muss. Das führt zu Widerstand, wenn auch nicht bewusst. Je nach Schätzungen spricht man von 30 bis 50 Stunden Haushalts- und Organisationsarbeit, die pro Woche anfallen. Um diesen Umfang in der neuen Situation zu stemmen, muss wie in einem Unternehmen umorganisiert und umstrukturiert werden. Und dafür müssen Sie in erster Linie Ihren Mann ins Boot holen. Oder besser an den Tisch, um wöchentliche Sitzungen abzuhalten, in denen die To-dos der kommenden Woche besprochen und die Aufgaben verteilt werden. Bringen Sie mal für sich selbst all die unzähligen grossen und kleinen Aufgaben, die anfallen, und deren groben Zeitaufwand auf Papier. Sie können zur Visualisierung der Auslastungen von sich und Ihrem Mann beispielsweise ein Kreisdiagramm von 100 Prozent aufzeichnen: 40 Prozent Arbeit, 5 Prozent Buchhaltung, Abrechnungen, Finanzen, X Prozent Freizeit etc. Vergleichen Sie Ihre Diagramme und überlegen Sie, wie Sie eine allfällige Differenz ausgleichen könnten.

Der Widerstand gegen fixe Pläne ist intuitiv gut nachvollziehbar. Doch die Erfahrung zeigt, dass es energie- und nervenschonender ist, wenn das Erledigen der Aufgaben nicht ständig neu ausgehandelt werden muss. Auch Kinder können von fixen Ämtli profitieren. So wird ihnen vermittelt, dass die Eltern ihnen zutrauen, Verantwortung zu übernehmen. Das macht stolz und fördert die Selbständigkeit. Sie brauchen aber klare Anweisungen, weil Kinder kein gutes Gespür für die anfallende Arbeit haben und nicht besonders weit in die Zukunft schauen können. Sie leben viel mehr im Hier und Jetzt, wo keine To-dos existieren.

Und weil das Leben im Hier und Jetzt für die ganze Familie genauso wichtig ist wie das Erledigen der anfallenden Arbeiten, integriert man Erholungs- und Belohnungsmomente am besten gleich mit in die wöchentliche Planung. So macht es auch mehr Spass.

Maria Raquel Joris (Erziehungsberaterin) und das kjz-Team


Haben Sie eine Frage zur Erziehung, zum Zusammenleben in der aktuellen Situation oder ganz allgemein zum Familienleben? Das kjz-Team beantwortet regelmässig Fragen in der «kjz-Sprechstunde». Schicken Sie Ihr Anliegen an ajb@fuerslebengut.ch