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Interview mit Mütter- und Väterberaterinnen der kjz

Zu Hause mit Baby und Kleinkind

Veröffentlicht am von Fiona Feuz, AJB

In dieser ausserordentlichen Zeit sind Familien mit Babies oder Kleinkindern weitgehend auf sich alleine gestellt. Die Grosseltern können nicht hüten und das Babyschwimmen fällt aus. Die Mütter- und Väterberaterinnen Nadine Lamparter und Regina Steiner verraten im Interview, worauf Eltern mit kleinen Kindern achten sollen.

Für Familien mit kleinen Kindern kann die Wohnung mit der Zeit sehr eng werden. Vor allem dann, wenn einer oder beide Zuhause arbeiten müssen. Was kann hier helfen?
Nadine Lamparter:
Es ist wichtig, das Homeoffice gemeinsam gut zu planen. Wer ist wann für das Büro und wann für die Kinderbetreuung oder den Haushalt zuständig? Unausgesprochene Erwartungen können Stress und Konflikte auslösen.

Regina Steiner: Am Ende des Tages sollte man schauen, was gut geklappt hat und was nicht. Das hört sich aufwändig an, ist es aber nicht. Machen Sie auch bewusst Feierabend. Weil der Arbeitsweg wegfällt, hilft es, wenn man den Übergang von der Arbeit zum Feierabend bewusst gestaltet zum Beispiel; indem man die Arbeit gezielt wegräumt oder einen Tee trinkt.

Was muss man in dieser Zeit gerade als Familie mit einem Neugeborenen beachten?
NL: In diesen turbulenten Zeiten ist es sinnvoll, Tagesstrukturen aufrechtzuerhalten oder einzuführen. Das gibt Ruhe und Sicherheit – sowohl für Sie – wie für die Kinder. Aufstehen, Frühstücken und sich anziehen, auch wenn die Pyjamahose keiner sieht, und am Nachmittag vielleicht einen Spaziergang im Park?

RS: Ja, Tagesstrukturen sind sehr wichtig. Bei Neugeborenen und kleinen Kindern können Sie vielleicht noch nicht so getaktet sein, wie bei älteren Kindern, aber Sie helfen der ganzen Familie.

Alles ist geschlossen und auf den Spielplatz sollte man auch nicht mehr so richtig. Was können Familien mit Babys oder kleinen Kindern draussen unternehmen?
RS:
Gerade bei diesem schönen Wetter, wo alles blüht, kann man mit den Kindern die Welt der Käfer und Blumen entdecken. Oder sammeln Sie mit ihnen bunte Steine und schmücken Sie damit die Wohnung. Sie können auch die Plätze in Ihrem Quartier mit Strassenkreide verschönern, die ist im Online-Handel gut erhältlich, und die Kunstwerke erfreuen auch andere.

NL: Gehen Sie auch mit Neugeborenen oft nach draussen, unternehmen Sie beispielsweise Spaziergänge. Auch Babys brauchen frische Luft und die Anregung von draussen.

Was hilft, damit einer Familie mit kleinen Kindern nicht die Decke auf den Kopf fällt?
NL: Es kann helfen, wenn man oft an die frische Luft geht und mit Menschen, die einem wichtig sind, in Kontakt bleibt. Man kann sich dafür auch mit einer Videokonferenz auf einen Kaffee treffen. Nehmen Sie sich Zeit für vergessene Brettspiele, oder funktionieren Sie die Küche zur Bäckerei um, um Nachbarn oder Grosseltern mit etwas Süssem zu beliefern.

RS: Das ist eine tolle Idee! Es hilft Brücken zu bauen, denn auch die Kinder vermissen die Grosseltern und Spielkameraden aus der Kita oder Spielgruppe. Falls die Grosseltern zu weit weg wohnen und der Kuchen sich nicht einfach per Post versenden lässt, malen Sie doch zusammen mit Ihren Kindern eine Karte. Und ganz wichtig: Sprechen Sie mit ihnen (Lesen Sie dazu Schweigen ist Gold? Nicht in Corona-Zeiten!). Sagen Sie ihnen, was Sie bedrückt und dass sie nicht Schuld an der Situation sind. Kleine Kinder haben feine Antennen für die Gefühle ihrer Eltern. Sie werden verunsichert, wenn es Ihnen nicht gut geht, weil Sie sich – ob Sie wollen oder nicht – anders verhalten wie sonst.


Wenn es mal drunter und drüber geht und einem doch einmal alles zu viel wird, dann sind die Fachpersonen, wie z.B. die Erziehungsberaterinnen und Erziehungsberater in den Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) für die Eltern da. Sie sind trotz Coronavirus telefonisch erreichbar und nehmen sich den Anliegen und Fragen der Mütter und Väter an: www.kjz.zh.ch

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