Fragen zur Erziehung und Entwicklung Ihrer Kinder und zum Familienalltag? Die Fachleute unserer Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) beraten Sie gern.
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Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei grösster Elternliebe froh um ein bisschen Unterstützung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erziehung weiss das Fachteam unserer kjz-Sprechstunde Rat. Kompetent, anonym und unkompliziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!
Liebes kjz
Mein Kind ist zwei Jahre alt und kann sich körperlich noch kaum wehren. Auch sprachlich fehlen ihm aufgrund seines kleinen Wortschatzes noch die Mittel, um sich in Konfliktsituationen zu behaupten. Es ist sehr interessiert an anderen Kindern, geht offen auf sie zu und teilt gerne. Gerade dadurch gerät es immer wieder in Konflikte mit gleichaltrigen oder älteren Kindern. Wenn es geschubst wird, andere Kinder sich vordrängen oder es etwa mit einer Schaufel geschlagen wird, wehrt es sich nicht.
Wie kann ich meinem Kind helfen, sich zu wehren, Grenzen zu setzen und diese einzufordern?
Liebe Bezugsperson
Vielen Dank für Ihre Gedanken und Beobachtungen. Ich verstehe, dass es schwer ist, die beschriebenen Situationen mitzuerleben und das Gefühl zu haben, dass das eigene Kind «unter die Räder» kommt.
Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo und seine eigenen Schwerpunkte in diesem Prozess. Während die einen lernen dürfen, sich zurückzunehmen und einen empathischen Umgang mit anderen zu entwickeln, dürfen die anderen lernen, sich abzugrenzen und für sich einzustehen. Mit zwei Jahren ist es genau richtig, dass sich Ihr Kind beginnt, für andere Kinder zu interessieren und mit ihnen in Kontakt treten möchte. Kinder lernen erst mit der Zeit, wie wertschätzende Interaktionen mit anderen Kindern und Erwachsenen ablaufen. Das geschieht immer wieder durch Ausprobieren, gemachten Erfahrungen und entsprechende Begleitung durch die Bezugspersonen. Grobes Verhalten oder das Wegnehmen von Gegenständen passiert in dieser Zeit ohne böse Absicht. In dem Alter Ihres Kindes fühlt sich das betroffene Kind noch nicht unterdrückt oder ungerecht behandelt. Dieses Gefühl entsteht momentan auf der Seite der Bezugsperson. Ihr Kind selbst macht Erfahrungen, die es mit Ihrer Hilfe einzuordnen lernt.
In der konkreten Situation bedeutet das, dass es wichtig ist, den Ablauf und die Reaktion Ihres Kindes gut zu beobachten. Beschreiben Sie, was in der Situation passiert ist und wie sich Ihr Kind alternativ verhalten könnte. «Dir hat jemand die Schaufel weggenommen. Du darfst ‹Stopp› sagen, wenn du das nicht möchtest.» Bleiben Sie in der Begleitung inhaltlich bei dem, was Ihrem Kind passiert ist. Benennen Sie die Gefühle Ihres Kindes, die Sie erkennen können. «Das hat dich überrascht.» So lernt Ihr Kind einerseits seinen Gefühlen Wörtern zuzuordnen und andererseits erklären Sie ihm alternative Verhaltensweisen. Gemeinsam Kinderbücher anzuschauen und unterschiedliches Verhalten in Konfliktsituationen auf kindgerechte Weise zu besprechen, kann eine weitere gute Möglichkeit sein, Ihr Kind in dieser Beziehung zu stärken. Sie dürfen sich sicher sein, dass Ihr Kind deutlich mehr versteht, als Sie vermuten, denn das Sprachverständnis beginnt lange vor dem Sprechen selbst.
Ihr Kind ist noch sehr jung und wird mit der Zeit lernen, für sich selbst einzustehen und anderen seine Grenzen aufzuzeigen.
Ich wünsche Ihnen viel Gelassenheit und Zuversicht auf Ihrem gemeinsamen Weg.
Wibke Enderli (Mütter- und Väterberaterin) und das kjz Team
Haben Sie eine Frage?
Haben Sie eine Frage zur Erziehung, zum Zusammenleben in der aktuellen Situation oder ganz allgemein zum Familienleben? Das kjz-Team beantwortet regelmässig Fragen in der «kjz-Sprechstunde».