Fragen zur Erziehung und Entwicklung Ihrer Kinder und zum Familienalltag? Die Fachleute unserer Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) beraten Sie gern.
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Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei grösster Elternliebe froh um ein bisschen Unterstützung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erziehung weiss das Fachteam unserer kjz-Sprechstunde Rat. Kompetent, anonym und unkompliziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!
Liebes kjz
Mein Sohn (2½) schlägt mich mit und ohne Gegenstände ins Gesicht. Neuerdings tritt er aus dem Nichts in Mülleimer oder Spielzeug – heute auch mehrmals in mein Bein. Dies passiert zum Beispiel, wenn ich ihn ins Auto setze oder während er spielt. Wie soll ich damit umgehen?
Liebe Mutter / Lieber Vater
Ich kann mir vorstellen, wie herausfordernd im Moment Ihr Alltag mit einem Kleinkind ist. Was ich Ihnen mit Bestimmtheit sagen kann: Kinder treten im Allgemeinen nicht, um ihren Eltern Schmerz zuzufügen. Vielmehr gibt es unterschiedliche Nöte und Bedürfnisse, die hinter dem Verhalten stecken.
Es ist nicht einfach, damit umzugehen, wenn Kinder so plötzlich die Grenzen der Erwachsenen überschreiten. Dies kann bei den Eltern sehr starke Gefühle auslösen. Es ist wichtig, dass Sie diese Gefühle Ihrem Kind gegenüber spiegeln und in Worte fassen. Es soll hören, dass Sie dieses Verhalten nicht möchten und es Sie schmerzt.
Mit 2½ Jahren befindet sich Ihr Sohn in der Autonomiephase – auch bekannt als Trotzphase. In der Zeit zwischen 18 Monaten und 3 Jahren entdecken Kinder ihren eigenen Willen. Da passiert es oft, dass die Kinder anfangen zu schlagen, beissen und treten. Die Kinder spüren, dass sie sich zu eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln und einen Willen haben, der sich von dem der Erwachsenen unterscheidet. Sie möchten vieles selbst bestimmen und stossen so oft an Grenzen. Diese Frustrationen ergeben sich im Alltag. Sie werden ausgelöst, weil ein Kind in seinem Vorhaben gestört wird oder es sich in seinem Vorhaben übernommen hat und von sich enttäuscht ist. Es handelt sich um alltägliche Konflikte zwischen kindlichem Wunsch und elterlichen Absichten. Müdigkeit und/oder Hunger erschweren es dem Kind, frustrierende Momente zu meistern.
Ich möchte Sie ermutigen, Ihr Kind in diesen schwierigen Situationen emotional zu begleiten. Spiegeln Sie seine Gefühle, indem Sie benennen, wie sich Ihr Kind gerade fühlt (z. B. «Gell, das macht dich jetzt traurig.»). Wichtig ist, dass dies zeitnah geschieht. Ihr Kind liebt Sie und möchte in diesen Momenten das Gefühl erfahren, auch mit heftigen, unkontrollierten und manchmal auch sehr wütenden Emotionen angenommen zu sein. Es hilft Ihrem Sohn, wenn Sie Übergänge sorgfältig planen. Informieren Sie ihn zum Beispiel frühzeitig darüber, dass es bald Zeit ist zu gehen und Sie ihn in den Autositz setzen werden. Ein Timer, der Ihrem Kind Zeit sichtbar macht, kann dabei hilfreich sein. Diese Erfahrungen helfen Ihrem Kind, immer besser mit schwierigen Gefühlen umzugehen. Ebenfalls unterstützend wirkt, wenn Ihr Kind während dem Tag, kleine Zeitinseln zum Wohlfühlen erlebt. Miteinander kuscheln und sich zwischendurch einige Minuten Zeit nehmen, dem Spiel Ihres Kindes zu folgen, hat eine beruhigende Wirkung auf den Alltag. So erfährt Ihr Kind Orientierung und Verbindlichkeit und lernt immer besser, was sozial akzeptabel ist.
Ich wünsche Ihnen viel Geduld bei der Begleitung Ihres Sohnes mit seinen schwierigen Gefühlen.
Patricia Zgraggen (Beraterin Frühe Kindheit) und das kjz Team
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Haben Sie eine Frage zur Erziehung, zum Zusammenleben in der aktuellen Situation oder ganz allgemein zum Familienleben? Das kjz-Team beantwortet regelmässig Fragen in der «kjz-Sprechstunde».