kjz-Sprechstunde

«Was kann ich gegen das abendliche starke Unwohlsein meiner Tochter (10) tun?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Meine Tochter (10) fühlt sich jeden Abend unwohl. Sie hat dann Bauch­schmer­zen und Übel­keit und kann vor dem Schla­fen kaum herun­ter­fah­ren. Sie führt es auf den Stress im Alltag und insbe­son­dere in der Schule zurück. (Sie hat ein diagnos­ti­zier­tes ADHS.) Aktuell arbei­ten wir daran, dass um 9.30 Uhr Nacht­ruhe ist. Um 8.30 Uhr ist Lese­zeit im Bett, um 9 Uhr dann Lich­ter­lö­schen. Danach geht sie noch unzäh­lige Male aufs WC. Am liebs­ten würde sie immer bei mir schla­fen. Dann geht es besser. Das lasse ich gele­gent­lich zu, nicht aber, wenn mein Freund da ist. Denn es ist die einzige Zeit, in der wir in Ruhe über den Tag spre­chen können. Noch zum Hinter­grund: Mein Ex-Partner und ich sind seit etwas mehr als 1½ Jahren getrennt. Seit Mai leben wir auch getrennt. Die Tochter ist mehr bei mir.
Was kann ich tun, um die Situa­tion zu verbes­sern?

Liebe Mutter

Kinder­ärzte sagen bei dieser diffu­sen Form von Schmer­zen gern, dass sie eher psycho­so­ma­ti­scher Art sind. Ihre Tochter deutet es ähnlich: Sie führt es auf den Stress im Alltag und insbe­son­dere in der Schule zurück. Das ist bei einem diagnos­ti­zier­ten ADHS kein Wunder. Und Sie als Mutter machen genau das Rich­tige: Sie nehmen sie und ihre Nöte ernst. Sie lassen sie ab und zu in Ihrem Bett schla­fen, geben ihr also, was sie (unter anderem) braucht. Und es ist nach­voll­zieh­bar, wenn Ihre Tochter mehr davon will, zumal es ihre Nöte kurz­fris­tig zu lindern scheint.

Deshalb erst ein paar Gegen­fra­gen. Geht Ihre Tochter am nächs­ten Tag ganz normal zur Schule? Wie läuft’s in der Schule? Wie läuft’s mit Kolle­gin­nen und Kolle­gen? Wie läuft’s zwischen ihr und ihrem Papa? Was macht er anders respek­tive was läuft dort anders?

Wenden wir uns noch­mals den Bauch­schmer­zen und der Übel­keit zu. Die Schule ist ziem­lich sicher ein Stres­sort für Ihre Tochter. Aber sie spricht auch vom Alltag. Welcher Alltag? Was genau im Alltag? Da ist vieles möglich. Sie zählen selbst die Tren­nung von Ihrem Partner auf, die schon vor einiger Zeit statt­fand und vergan­ge­nes Jahr auch örtlich voll­zo­gen wurde. Sie erwäh­nen Ihren Freund, mit dem Sie gerne abends Zeit hätten. Lauter gute Gründe für Sie, die Nöte Ihrer Tochter ausschal­ten zu wollen, und lauter gute Gründe für Ihre Tochter, dann erst recht Ihre Aufmerk­sam­keit haben zu wollen. Das heisst nicht, dass es genauso ist. Es ist nur ein weite­res Puzzle­teil zu einem Erklä­rungs­bild.

Die Struk­tu­rie­rung der Schla­fens­zeit ist gut gedacht. Sie zeigt aber, dass Ihre Tochter dann noch nicht müde sein will oder kann. Dass da noch irgend­was ist. Das zeigt sich dadurch, dass sie unzäh­lige Male aufs WC geht. Wir wissen: Auch die vollste Blase ist irgend­wann entleert. Also «sagt» Ihre Tochter damit etwas anderes. Was es ist, ist noch ein Rätsel – und Rätsel brau­chen vor allem eines: Zeit.

Ich möchte Ihnen ans Herz legen, im kjz in Ihrer Nähe einen Besuch abzu­stat­ten. Dort können wir uns sowohl für Ihre als auch für unsere Fragen mehr Zeit nehmen.

Claude Ramme (Erzie­hungs­be­ra­ter) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».