kjz-Sprechstunde

«Wie soll ich mit der Trennungsangst unserer Tochter (10) umgehen?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, bekommt unsere Tochter (10) Bauch­weh, weil mein Mann oder ich nicht bei ihr sein können. Es stresst mich enorm, dass ich morgen viel­leicht wieder nicht zur Arbeit kann. Ich habe ihr gesagt, dass die einzige Lösung sei, zu kündi­gen und sie aus der Schule zu nehmen. Danach hat sie bitter­lich geweint und gemeint, das wolle sie nicht. Sobald sie in der Schule weint, rufen mich die Schule an, damit ich unsere Tochter abhole.
Ich weiss nicht weiter und bin verzwei­felt.

Liebe Mutter

Das klingt nach sehr viel Stress und Unruhe – bei Ihnen als Mutter, bei Ihrem Mann und bei Ihrer Tochter. Sie fragen sich, was Sie tun können, um Ihrer Tochter die Angst zu nehmen und sie zu stärken.

Grund­sätz­lich gehört die Tren­nungs­angst zur Entwick­lung eines Kindes dazu. Sie ist unter Kindern weit verbrei­tet und kann bis zum Primar­schul­al­ter andau­ern. Die Angst vor Tren­nun­gen kommt daher, dass Kinder zum einen eigen­stän­dig sein wollen, zum anderen aber auch auf den Schutz der Eltern ange­wie­sen und daher von ihnen abhän­gig sind. Dies führt bei Kindern zu einer grossen Span­nung zwischen Eigen­stän­dig­keit und dem Bedürf­nis nach elter­li­chem Schutz. Dies wiederum kann die Tren­nung des Kindes von den Eltern erschwe­ren. Es kann hilf­reich sein, einen gere­gel­ten Tages- und Wochen­ab­lauf zu haben, da dies Ihrer Tochter Struk­tur und Sicher­heit vermit­teln kann. Dies wiederum gibt Ihrer Tochter das Gefühl, dass Sie als Eltern verläss­lich sind. So erhält Ihre Tochter mögli­cher­weise genü­gend Sicher­heit, um sich von Ihnen trennen zu können – im Wissen, dass Sie wieder zurück­keh­ren.

Höre ich aus Ihrer Nach­richt heraus, dass es für Sie mit Stress verbun­den ist, wenn Sie Ihre Tochter wegen ihrer Bauch­schmer­zen von der Schule abholen müssen? Falls dem so ist, gäbe es die Möglich­keit, das Gespräch mit der Klas­sen­lehr­per­son zu suchen – allen­falls mit Unter­stüt­zung durch die Schul­so­zi­al­ar­beit. Viel­leicht gibt es andere Stra­te­gien, um in der Schule mit der Tren­nungs­angst Ihrer Tochter umzu­ge­hen, als sie nach Hause zu schi­cken. Die Schul­so­zi­al­ar­beit als nieder­schwel­li­ges Angebot in den Schulen bietet Bera­tung bei fami­liä­ren Proble­men und anderen Schwie­rig­kei­ten an und könnte hierbei unter­stüt­zend mitwir­ken.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch mitge­ben, dass Sie die Ängste Ihrer Tochter ernst nehmen und Verständ­nis dafür zeigen. Sie können Ihrer Tochter in einem ruhigen Moment erklä­ren, woher ihre Ängste kommen und sie so bei der Einord­nung unter­stüt­zen. Falls Sie nicht genau wissen, woher die Ängste Ihrer Tochter kommen, suchen Sie das Gespräch mit ihr. Versu­chen Sie auf eine spie­le­ri­sche, kind­ge­rechte Art heraus­zu­fin­den, wovor Ihre Tochter genau Angst hat.

Gerne unter­stüt­zen wir Sie hierbei im kjz in Ihrer Nähe.

Maria Knecht-Jenny (Sozi­al­ar­bei­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».