kjz-Sprechstunde

«Was tun, wenn unsere Tochter (3) nach der Kita aggressiv zu ihrem Bruder (bald 1) ist?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Unsere Tochter (3) ist hoch­sen­si­bel. Sie hat den Start in die Kita zwar geschafft, ich weiss aber nicht, wie es ihr in der Kita geht. Zu einer der Betreu­ungs­per­so­nen hat sie einen beson­de­ren Bezug. Schlimm nur, wenn sie fehlt. Ich sage unserer Tochter immer wieder, dass ich an sie glaube und wir das zusam­men schaf­fen.
Das Problem ist, dass unsere Tochter aggres­siv zu ihrem Bruder (bald 1) ist, wenn sie von der Kita nach Hause kommt. Sie schupst ihn, beisst ihm in den Finger, stösst ihn um. Das tut mir unend­lich weh. Ich sehe ihre Not, aber auch das Schutz­be­dürf­nis ihres Bruders.
Der Kleine würde so gerne mit seinem grossen Vorbild, der Schwes­ter, spielen und sie nach­ah­men. Er vergiesst viele Tränen. Wir können die Kinder keine Minute allein lassen. Natür­lich sagen wir, dass bei uns niemand gehauen oder gebis­sen wird. Natür­lich trösten wir den Kleinen.
Was sollen wir tun?

Liebe Familie

Vielen Dank für Ihre Frage.

Ihre Tochter hat mit Ihrer Unter­stüt­zung und in Zusam­men­ar­beit mit den Kita-Fach­per­so­nen den Eintritt in die Kita geschafft. Dafür braucht es bei allen Kindern viel Einfüh­lungs­ver­mö­gen –insbe­son­dere aber bei sensi­blen Kindern, da sie auf Verän­de­run­gen stärker reagie­ren können. Zum gelun­ge­nen Kitastart gratu­liere ich Ihnen herz­lich.

Die Kita ist für Ihre Tochter ein grosses Lern- und Entwick­lungs­feld.

Hoch­sen­si­ble Kinder brau­chen Zeit für die Verar­bei­tung und genü­gend Ruhe­pha­sen. Die vielen Über­gänge – von zu Hause in die Kita und wieder zurück, aber auch inner­halb des Kita-Alltags – können heraus­for­dernd sein und Ihre Tochter an die Grenze ihrer Anpas­sungs­fä­hig­keit bringen. Das zeigt ihr Verhal­ten, wenn sie nach Hause kommt. In vertrau­ter und siche­rer Umge­bung lässt sie ihren Emotio­nen freien Lauf, was für die ganze Familie belas­tend werden kann.

Wichtig ist eine gute Vorbe­rei­tung auf diese Über­gänge.

Das kann bedeu­ten, dass die Kita-Fach­per­son Ihr Kommen bereits ankün­digt, wenn Ihre Tochter noch spielt, und sie am Abend nach der Kita mehr Struk­tur und Orien­tie­rung braucht als an anderen Tagen. Es kann helfen, bevor­ste­hende Ereig­nisse früh anzu­kün­di­gen und Ihrer Tochter die eine oder andere Entschei­dung abzu­neh­men («Nun essen wir alle zusam­men», «Nachher gehen wir zusam­men Zähne putzen» etc.).

Viel­leicht ist das «freie Spiel» mit dem Bruder an diesen Tagen zu über­for­dernd. Sie haben Recht: Den Schutz des Kleinen gilt es zu berück­sich­ti­gen. Ihre Tochter ist aber noch zu jung, um dies neben ihren eigenen Bedürf­nis­sen tun zu können.

Für gemein­sa­mes Spielen eignen sich Momente, in denen beide Kinder ausge­ruht, entspannt und satt sind. Ausser­dem zeigt sich, dass Kinder mit zuneh­men­dem Alter sich immer besser auf ihr Gegen­über einlas­sen und zusam­men spielen können. Diese Entwick­lung braucht Zeit und lässt sich nicht beschleu­ni­gen.

Ich wünsche Ihnen viel Geduld und entspannte Momente mit den Kindern.

Nadine Lampar­ter (Mütter- und Väter­be­ra­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».