kjz-Sprechstunde

«Das Coming-out meines Sohnes (16) beschäftigt mich. Soll ich mir Hilfe holen?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Mein 16-jähri­ger Sohn hat mir gesagt, dass er schwul ist. Für mich kam das uner­war­tet, da ich zuvor keine Anzei­chen dafür wahr­ge­nom­men hatte. Ich halte mich für unvor­ein­ge­nom­men, merke aber, dass mich sein Coming-out mental und emotio­nal beschäf­tigt. Soll ich mir helfen lassen?

Liebe Mutter / Lieber Vater

Ihr Sohn hat sich Ihnen anver­traut, das ist ein grosses Kompli­ment. Sie machen sich derzeit viele Gedan­ken und viel­leicht auch Sorgen. Ihr Sohn ist Ihnen wichtig. Wie Eltern am besten mit dieser Nach­richt, ihrem Sohn und sich selbst umgehen, kann verschie­den sein. Dass sich Ihr menta­ler und emotio­na­ler Zustand verän­dert hat, ist eine natür­li­che Reak­tion auf neue Gege­ben­hei­ten. Die Zeit­spanne, bis ein Mensch uner­war­tete Nach­rich­ten einord­nen kann, ist indi­vi­du­ell.

Wichtig ist, dass Sie ihn nicht mit Ihren eigenen Gedan­ken über­rol­len. Schrei­ben Sie zum Beispiel zunächst alle Gedan­ken und Fragen auf, die Sie im Moment beschäf­ti­gen. Mit dieser Liste können Sie ins kjz in Ihrer Nähe. Dort lässt sich in einer Erzie­hungs­be­ra­tung klären, wie Sie mit Ihrem Sohn in dieser Situa­tion am besten kommu­ni­zie­ren und wo Sie allen­falls weiter­füh­rende Hilfe für sich holen können.

Sagen Sie Ihrem Sohn bereits heute, dass Sie sein Vertrauen schät­zen. Versi­chern Sie ihm, dass Sie ihn immer lieben und unter­stüt­zen werden – egal, wen er liebt und wie er sein Leben gestal­tet. Denn unter­schwel­lig hat er Sie gefragt: «Kann ich noch auf dich zählen?» Das Gefühl von Unter­stüt­zung stei­gert sein Wohl­be­fin­den.

Aus seiner Sicht ist es zudem wichtig, dass Sie nicht eigen­mäch­tig entschei­den, mit welchem Ihrer Freunde Sie darüber spre­chen möchten. Fragen Sie ihn, ob die Infor­ma­tion erstmal vertrau­lich bleiben soll oder ob Sie es Ihrem Umfeld erzäh­len dürfen.

Ingrid Caveng (Sozi­al­ar­bei­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».