kjz-Sprechstunde

«Meine Schwester und ihr Ehemann streiten sich oft – auch vor ihrem Kind (2). Wie kann ich ihr helfen?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Meine Schwes­ter lebt mit ihrem Ehemann und ihrem gemein­sa­men Kind (2) zusam­men und ist mit dem zweiten Kind schwan­ger. Sie erzählt, dass sie sich oft strei­ten – auch vor dem Kind und meis­tens bei Erzie­hungs­fra­gen. Wenn das Kind zum Beispiel weint, möchte sich meine Schwes­ter um das Kind kümmern. Er jedoch möchte nichts unter­neh­men, damit das Kind lernt, dass es nicht weinen soll.
Der Umgangs­ton ist sehr ruppig. Sie erzählte mir, ihr Mann habe schon gesagt, sie solle gehen und nicht zurück­keh­ren. Oder er habe ihr die Matratze ins Wohn­zim­mer gestellt und gesagt, sie solle die Nacht dort schla­fen. Meine Schwes­ter erzählte mir aber auch, dass ihr Ehemann sehr fürsorg­lich mit seiner Tochter spiele.
Ich mache mir Sorgen um meine Schwes­ter und weiss nicht, wie ich ihr helfen kann. Soll ich ihr eine Bera­tung im kjz empfeh­len? Was können wir als Fami­li­en­an­ge­hö­rige tun? Herz­li­chen Dank für Ihre Antwort.

Liebe besorgte Schwes­ter

Die Sorgen um Ihre Schwes­ter und ihr Kind sowie die Belas­tung für Sie und die ganze Familie sind gut nach­voll­zieh­bar.

Das Leben mit einem Klein­kind ist anstren­gend und fordernd. Es wird für Ihre Schwes­ter und ihre Familie nach der Geburt des zweiten Kindes noch stres­si­ger werden. Die Eltern können sich für eine Erzie­hungs­be­ra­tung selbst­ver­ständ­lich jeder­zeit an das kjz in ihrer Nähe wenden. Dies im Hinblick darauf, dass sie eine gemein­same Erzie­hungs­hal­tung entwi­ckeln und Stra­te­gien erar­bei­ten, wie sie in stres­si­gen Situa­tio­nen mit ihrem Kind reagie­ren können und es vermei­den, vor dem Kind zu strei­ten.

Es scheint jedoch auch auf der Paare­bene Probleme zu geben. Ihre Schwes­ter und Ihr Schwa­ger könnten sich zusätz­lich an eine Paar­be­ra­tung oder Media­ti­ons­stelle wenden, um eine Lösung für ihre Konflikte zu erar­bei­ten. Sollte sich Ihre Schwes­ter von Ihrem Schwa­ger bedroht fühlen, kann sie sich auch jeder­zeit an die Bera­tungs­stelle Frauen-Notte­le­fon wenden.

In jedem Fall muss sich Ihre Schwes­ter selbst Unter­stüt­zung holen, da die kjz nicht im Auftrag Dritter tätig werden dürfen. Und sie sollte es möglichst bald tun, auch im Hinblick auf die bevor­ste­hende Geburt.

Sie als Fami­li­en­an­ge­hö­rige können Ihre Schwes­ter beglei­ten und ihr immer wieder signa­li­sie­ren, dass Sie für sie da sind und sie unter­stüt­zen. Spre­chen Sie mit ihr über Ihre Befürch­tun­gen und machen Sie sie auf die vorge­schla­ge­nen Ange­bote aufmerk­sam.

Anita Mini­hof­fer (Sozi­al­ar­bei­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».