kjz-Sprechstunde

«Was tun, wenn mein Sohn (16) den Kontakt ablehnt und der Vater die Besuchsregelung missachtet?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Was kann ich tun, wenn mein 16-jähri­ger Sohn seit der Schei­dung vor einein­halb Jahren nicht zu mir kommen möchte und sein Vater ihn trotz gericht­li­cher Verein­ba­rung nicht jedes zweite Wochen­ende zu mir schickt? Mein Sohn lebte vor der Schei­dung bei mir und wir hatten eine sehr gute Bezie­hung.

Liebe Mutter

Ihre Enttäu­schung ist verständ­lich, haben Sie doch lange für Ihren Sohn gesorgt. Es ist gut, dass Sie diese mit anderen teilen und wir bedan­ken uns für Ihren Mut und Ihre Zuschrift.

Wir erleben immer wieder, dass junge Menschen in diesem Alter sich von einem Eltern­teil oder gar beiden (vorüber­ge­hend) abwen­den. Viel­leicht kommt ein schwe­len­der Eltern­kon­flikt hinzu oder eine örtli­che Distanz, die die Sache erschwert. Jugend­li­che befin­den sich mit 16 Jahren mitten in einer inten­si­ven Phase, in der sie ihre Iden­ti­tät und Selbst­stän­dig­keit entwi­ckeln. Sie vertie­fen Freund­schaf­ten zu Gleich­alt­ri­gen und suchen ihre Rollen in Gruppen. Sie wollen eigene Entschei­dun­gen treffen und auto­no­mer werden. Gleich­zei­tig stehen sie unter dem Druck der Berufs­fin­dung.

Weshalb auch immer Ihr Sohn beim anderen Eltern­teil wohnt: Sie haben ein Recht darauf, zu seiner schu­li­schen und beruf­li­chen Entwick­lung und zur gesund­heit­li­chen Situa­tion infor­miert zu werden. Machen Sie sich, wenn immer möglich, bemerk­bar, damit er reali­siert, dass Sie nach wie vor ein grosses Inter­esse an seiner Person und seinem Wohl­be­fin­den haben. Machen Sie nach Möglich­keit immer wieder ein Angebot oder senden Sie ihm ein Lebens­zei­chen. Viel­leicht hilft es Ihnen, mit einer befreun­de­ten Person, die Ihren Sohn kennt, darüber nach­zu­den­ken, wie ein solches ausse­hen könnte. Auch ein Eltern­ge­spräch oder ein Bera­tungs­ge­spräch mit Ihrem Sohn und Ihnen im kjz in Ihrer Nähe kann hilf­reich sein, um Möglich­kei­ten eines Kontakts zu bespre­chen.

Zurzeit brau­chen Sie einen langen Atem. Das ist schwie­rig und schmerzt. Dafür wünschen wir Ihnen alles Gute. Bleiben Sie dran. Ihr Sohn wäre nicht der erste Jugend­li­che, der sich zuerst abwen­det von einem Eltern­teil und zu einem späte­ren Zeit­punkt zurück­kehrt. Denn auch für ihn gilt: Die innere Verbin­dung bleibt, daran kann er anknüp­fen.

Ingrid Caveng (Sozi­al­ar­bei­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».