kjz-Sprechstunde

«Mein Sohn (14) verbringt kaum Zeit bei mir, weil andere Handy-Regeln gelten als beim Papa. Was tun?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Mein Sohn (14) lebt gröss­ten­teils bei seinem Papa und will möglichst wenig Zeit mit/bei mir verbrin­gen. Schuld daran ist sein exzes­si­ver Handy­kon­sum. Ich leide sehr darun­ter. Auch weil ich weiss, dass er bei seinem Papa ständig am Handy ist. Trotz­dem bin ich nicht bereit wegzu­schauen. Ich dulde es nicht, wenn er ständig an seinem Handy hängt. Seine Schul­no­ten haben sich in letzter Zeit verschlech­tert. Deswe­gen gelten bei mir andere Handy-Regeln. Wohl deshalb möchte mein Sohn viel lieber beim Papa sein. Was kann ich dagegen tun?
Herz­li­chen Dank für Ihren Ratschlag!

Liebe Mutter

Vielen Dank für Ihr Schrei­ben. Man spürt, wie sehr Sie die Situa­tion belas­tet und wie wichtig Ihnen Ihr Sohn ist.

Mit 14 Jahren spielt das Handy für die meisten Jugend­li­chen eine zentrale Rolle – nicht nur zur Unter­hal­tung, auch für ihre sozia­len Kontakte. Und auch wenn der hohe Handy­kon­sum sicht­bar im Vorder­grund steht, ist er oft nicht der Haupt­grund, warum ein Jugend­li­cher sich von einem Eltern­teil zurück­zieht. Häufig sind es mehrere Fakto­ren: Loya­li­täts­kon­flikte nach einer Tren­nung, das Bedürf­nis nach weniger Kontrolle und mehr Selbst­be­stim­mung, die Suche nach dem Ort, an dem weniger Konflikte entste­hen.

Ihr Sohn entschei­det sich nicht gegen Sie, sondern für die Situa­tion, die sich für ihn leich­ter anfühlt. Ihre Reak­tion als Mutter ist dabei nach­voll­zieh­bar. Sie sehen die Risiken: schlech­tere Noten, exzes­sive Handy-Nutzung. Vielen Eltern geht das so und sie machen dabei die Erfah­rung: Je stärker Jugend­li­che elter­li­che Regeln als Einschrän­kung erleben, desto mehr distan­zie­ren sie sich. Das bedeu­tet nicht, dass es keine Regeln braucht. Aber es bedeu­tet, dass Bezie­hung im Jugend­al­ter wich­ti­ger wird als Kontrolle. Viel­leicht hilft Ihnen ein Perspek­ti­ven­wech­sel: Zuerst die Verbin­dung zu Ihrem Sohn stärken und erst dann den Handy­kon­sum angehen. Versu­chen Sie, Zeiten zu schaf­fen, in denen das Handy kein Streit­punkt ist. Und zeigen Sie Inter­esse an der Lebens­welt Ihres Sohnes – insbe­son­dere auch an der digi­ta­len.

Haben Sie ihn schon einmal gefragt, was er selbst über seinen Medi­en­um­gang denkt? Welche Regeln würde er fair finden? Jugend­li­che halten sich eher an Regeln, bei denen sie mitre­den durften. Dabei ist es verständ­lich, dass Sie sich Abstim­mung mit dem Vater wünschen. Wenn das nicht möglich ist, kann es entlas­ten, diesen Wunsch loszu­las­sen. Kinder können akzep­tie­ren, dass an verschie­de­nen Orten unter­schied­li­che Regeln gelten – wichtig ist, dass sie sich an beiden Orten verstan­den und sicher fühlen.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Momente mit Ihrem Sohn, die Sie beide genies­sen. Sollten Sie weiter unter der Situa­tion leiden, melden Sie sich beim kjz in Ihrer Nähe. Wir unter­stüt­zen Sie gerne.

Ursina Ehren­sper­ger (Erzie­hungs­be­ra­te­rin) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».