Fragen zur Erziehung und Entwicklung Ihrer Kinder und zum Familienalltag? Die Fachleute unserer Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) beraten Sie gern.
Zum kjz-Beratungsangebot«Ich habe zur Stieftochter (6) andere Gefühle als zu den leiblichen Kindern. Wie soll ich damit umgehen?»
Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei grösster Elternliebe froh um ein bisschen Unterstützung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erziehung weiss das Fachteam unserer kjz-Sprechstunde Rat. Kompetent, anonym und unkompliziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!
Liebes kjz
Ich bin Vater von drei Kindern. Meine älteste Tochter (6) stammt von einem anderen Mann, der aber nie präsent war. Sie weiss davon; wir gehen offen damit um. Ich kenne meine Tochter, seit sie ein Jahr alt ist und sie ist für mich meine Tochter. Ich merke jedoch einen Gefühlsunterschied zu meinen anderen Kindern.
Meine älteste Tochter hat natürlicherweise ein besonderes Bedürfnis nach Nähe, was mich immer wieder an meine Grenzen bringt. Ich weiss zwar, dass Nähe für Kinder notwendig ist, kann sie ihr aber nicht gleichermassen geben wie den anderen beiden Kindern. Ich stelle meine Gefühle nicht in Frage und finde es angemessen, möchte aber im Hinblick auf meine Tochter besser damit umgehen. Haben Sie Ideen?
Lieber Vater
Dass Sie bei Ihrer Stieftochter unterschiedliche Gefühle haben, ist menschlich und gut nachvollziehbar. Dass Sie sich Gedanken darüber machen und diese aussprechen, zeigt, wie umsichtig und reflektiert Sie mit dieser Situation umgehen. Ihre Töchter brauchen nicht perfekte, sondern verlässliche und zugewandte Bezugspersonen. Ihre Reflexion zeigt, dass Sie genau daran arbeiten.
Wie Sie schreiben, gehen Sie in der Familie und gegenüber Ihrer Tochter offen mit ihrer Herkunft um – damit machen Sie sicherlich vieles richtig. Im Zusammenhang mit der körperlichen Nähe Ihrer Tochter zu Ihnen kommen Sie an Ihre Grenzen. Wichtig ist, diese Grenzen nicht als Defizit zu werten, sondern als etwas, das gestaltet werden kann. Hilfreich kann sein, Nähe bewusster zu gestalten, statt spontan entstehen zu lassen. Planen Sie gezielte Exklusivzeiten mit ihr ein. Diese können kurz, sollen aber verlässlich sein (z. B. ein fixes Abendritual oder wöchentliche Papa-Tochter-Zeit). Verlässlichkeit wirkt für Kinder oft stärker als Intensität. Gleichzeitig dürfen Sie Ihre eigenen Grenzen wahrnehmen und transparent und kindgerecht kommunizieren («Ich merke, du hättest jetzt gerne Nähe zu mir; ich brauche aber kurz eine Pause; danach bin ich wieder für dich da.»). Es kommt nicht primär auf die körperliche Nähe an, sondern auf die emotionale Verfügbarkeit – zuhören, Interesse zeigen und versuchen, die Gefühle Ihrer Tochter zu benennen.
Kinder spüren häufig, manchmal auch unbewusst, wenn Erwachsene innerlich beschäftigt sind.
Es kann auch entlasten, Ihre Gefühle weiter zu ergründen: Was genau führt dazu, dass Sie in solchen Momenten an Ihre Grenzen stossen? Wie möchten Sie in einer solchen Situation reagieren können? Welche Erwartungen haben Sie an sich als Vater? Und wo setzen Sie sich möglicherweise unter Druck, «gleich fühlen» zu müssen? Beziehung darf unterschiedlich sein – und bleibt trotzdem tragfähig.
Wenn Sie merken, dass das Thema Sie stärker belastet, kann ein Austausch in einer Beratung oder mit Vätern aus Ihrem Umfeld sinnvoll sein. Ihr reflektierter Zugang ist bereits eine wichtige Ressource für Ihre Tochter. Wie Sie in dieser Hinsicht konkret mit Ihrer ältesten Tochter umgehen können, dürfen Sie gerne in einer Erziehungsberatung im kjz in Ihrer Nähe oder mit dem Väterberater des Kantons Zürich besprechen.
Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Zeilen weiterhelfen konnten.
Ingrid Caveng (Sozialarbeiterin), Dani Bünter (Väterberater) und das kjz-Team
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Haben Sie eine Frage zur Erziehung, zum Zusammenleben in der aktuellen Situation oder ganz allgemein zum Familienleben? Das kjz-Team beantwortet regelmässig Fragen in der «kjz-Sprechstunde».