kjz-Sprechstunde

«Was soll ich tun, wenn meine Tochter (12 Jahre) Suizidgedanken hat?»

Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei gröss­ter Eltern­liebe froh um ein biss­chen Unter­stüt­zung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erzie­hung weiss das Fach­team unserer kjz-Sprech­stunde Rat. Kompe­tent, anonym und unkom­pli­ziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!


Liebes kjz
Wie verhalte ich mich, wenn meine Tochter (12 Jahre) schon zum zweiten Mal Suizid­ge­dan­ken hatte?

Liebe Mutter / Lieber Vater

Wenn das eigene Kind Suizid­ge­dan­ken hat, ist das ohne Zweifel etwas, das einem Angst macht. Wir haben es uns als Eltern zur Aufgabe gemacht, unseren Kindern so viel Sicher­heit wie möglich zu bieten – und dann das.

Die erste Frage, die Sie sich wohl stellen (und wir uns auch), lautet: Wieso? Wieso möchte ein Kind nicht mehr leben? Und am liebs­ten möchten wir diese Frage vom Kind selbst beant­wor­tet haben. Wir sind auch schon drauf und dran, aufzu­zäh­len, was alles gut läuft, zu sagen, dass das nur eine Phase sei, die vorbei­gehe, wir müssten das ja wissen, und dass auch wir manch­mal Mühe mit dem Leben haben … all diese Antwor­ten fallen uns ein, weil wir helfen wollen.

Immer­hin: Die Tatsa­che, dass Ihre Tochter Ihnen von ihren Suizid­ge­dan­ken erzählt, ist viel wert. Es ist statis­tisch belegt, dass Menschen, die drüber reden, auch gehol­fen werden kann.

Unklar ist, wie viele Jugend­li­che Suizid­ge­dan­ken haben – die Statis­tik spricht von bis zu 25 Prozent. Gerade in der Jugend kann das Leben beson­ders heraus­for­dernd sein (ältere Semes­ter verges­sen das gerne). Und wir Eltern müssen solche Gedan­ken unbe­dingt ernst nehmen. Keine Tipps geben, nichts (besser) wissen – sondern zuhören, soweit das möglich ist, und Hilfe orga­ni­sie­ren. Das kann die Nummer 147 von Pro Juven­tute sein oder eine psych­ia­tri­sche Klinik – im Falle einer 12-Jähri­gen etwa die KJPP (Kinder- und Jugend­psych­ia­trie und Psycho­the­ra­pie). Weitere Anlauf­stel­len gibt es bei der Suizid­prä­ven­tion Kanton Zürich. Denn es gilt, die Inten­si­tät der Suizid­ge­dan­ken zu über­prü­fen.

Bei alledem ist es gut, wenn Sie gegen­über Ihrer Tochter trans­pa­rent bleiben. Sie dürfen ihr sagen, dass Sie von ihren Gedan­ken verun­si­chert sind. Sie dürfen ihr sagen, dass Sie für sie (und sich selbst) Hilfe suchen werden. Sie dürfen ihr sagen, wie diese Hilfe aussieht. Sie dürfen sich dafür inter­es­sie­ren, wie die momen­tane (Innen-)Welt Ihrer Tochter aussieht – auch wenn Ihre Tochter Sie davon mögli­cher­weise ausschlies­sen möchte. Ihre Tochter darf Ihre Sorgen spüren. Und sie soll erken­nen, dass Sie sie ernst nehmen.

Zögern Sie auch nicht, sich beim kjz in Ihrer Nähe zu melden, wenn Ihnen alles zu viel wird. Wir nehmen uns gerne Zeit für Sie.

Claude Ramme (Erzie­hungs­be­ra­ter) und das kjz-Team

Haben Sie eine Frage?

Haben Sie eine Frage zur Erzie­hung, zum Zusam­men­le­ben in der aktu­el­len Situa­tion oder ganz allge­mein zum Fami­li­en­le­ben? Das kjz-Team beant­wor­tet regel­mäs­sig Fragen in der «kjz-Sprech­stunde».