Lagervorbereitung

Was tun gegen Heimweh?

Hurra, ab ins Lager und rein ins Abenteuer! Wären da nur nicht die Heimwehsorgen … Ein bisschen Heimweh ist ganz normal. Dauert es aber zu lange, ist der Lagerspass schlicht nicht lustig. Eine gute Vorbereitung und ein paar Tricks helfen, das quälende Gefühl im Griff zu haben.

Lager sind im Kanton Zürich für Kinder und Jugendliche nach der Pandemiepause wieder zugelassen. Der Spass steht also vor der Türe – wäre da nur nicht auch etwas Lagerkummer mit im Spiel. Eines vorweg: Kinder mit Heimweh sind nicht ungewöhnlich. Ein neues Umfeld ganz ohne die bekannte Geborgenheit verunsichert. Heimweh ist dabei eine gesunde kindliche Reaktion auf diese Unsicherheit, eine Form von Mini-Trauer. Die gute Nachricht: Kinder können lernen, mit Heimweh umzugehen. Ausserdem sind meist bloss die ersten ein bis zwei Tage bis zur Angewöhnung schwierig, danach nimmt Heimweh schnell von alleine ab.

Was können Eltern tun?

Allgemein hilft es, wenn Eltern das Bevorstehende mit dem Kind besprechen und dabei seine Gefühle und Befürchtungen ernst nehmen. Schmieden sie gemeinsam «Notfallpläne», gibt das Sicherheit. Damit können sich Kinder selber helfen und sich so auch fern vom vertrauten Zuhause wohlfühlen. Der Spass und das Positive sollen dabei aber immer wieder im Vordergrund stehen. Eltern sollten sich ausserdem bewusst sein: Kinder spüren ihre Haltung und insgeheimen Erwartungen. Trauen Eltern ihnen diesen Schritt zu, stärkt sie das.

Ideen, damit Kinder Sicherheit gewinnen

  • Leiterteam vorher googeln
  • Leiterteam vorher einmal anrufen / kennenlernen
  • Auswärtsschlafen vorher üben
  • zuvor zusammen hinfahren und sich mit der Gegend vertraut machen
  • über die Ängste des Kindes reden und von eigenen Erfahrungen mit solchen Ängsten erzählen
  • klären, an wen sich das Kind im Lager wenden kann (Telefonnummer speichern)
  • besprechen, bei wem sich das Kind in der Nacht melden soll (bei welcher Leiterperson und klären, wo diese schläft)
  • besprechen, wie das Kind mit ungewohntem Essen oder Essensabläufen umgehen soll
  • Möglichkeiten besprechen, wie das Kind Anschluss finden kann (z. B. im Lager zuerst zu einem einzelnen Kind dazusetzen, eine Frage stellen oder etwas erzählen)
  • vorher gemeinsam abmachen, in welchen Fällen Eltern und Kind einander schreiben / anrufen (möglichst auf ein Minimum reduzieren)
  • bei grosser Sorge vor Heimwehgefühlen, evtl. vorher das Team informieren

Ideen, um Vorfreude zu wecken

  • schöne Erfahrungen ausmalen, die im Lager auf das Kind warten könnten (neue Freunde, das Gefühl einer Grossfamilie, ein schöner Ort, viel Programm, neu Gelerntes etc.)
  • das Programm gemeinsam anschauen und sich auf mögliche Highlights freuen
  • auch das Programm der Eltern in der Abwesenheit des Kindes besprechen, sodass für das Kind spürbar wird: Beide freuen sich auf diese Woche, es ist für beide etwas Gutes und Aufregendes.
  • von eigenen positiven Erfahrungen von früher erzählen
  • das Wiedersehen planen, als etwas, worauf sich beide Seiten nach einer Woche wieder freuen (z. B. mit einem Lagererzählabend mit Fotoshow, dem Lieblingsmenü etc.)
  • den Abschied positiv gestalten
  • ein Lagerdiplom oder ähnlich kreieren, um die Errungenschaft und Erfahrung des Kindes anzuerkennen

Notfallpläne und Strategien gegen Heimweh

  • frankiertes Couvert mit Briefpapier und Adresse drauf mitgeben zum Schreiben und Verschicken in schwierigen Momenten
  • Lagertagebuch für schöne und schwierige Momente mitgeben, nach der Lagerwoche dieses zuhause zeigen und besprechen dürfen
  • «Heimwehtabletten» für den Notfall (Smarties o. ä.)
  • ein Kuscheltier mitnehmen und diesem die eigenen Sorgen erzählen
  • den Mut zusammennehmen und bei einem Spiel mit den anderen Kindern mitmachen
  • besprechen oder auch gemeinsam einüben, wie sich das Kind in der Nacht melden soll (den Mut haben, zu klopfen und sich mitzuteilen)
  • wenn es schlimm ist, trotzdem noch versuchen, 24 Stunden länger auszuhalten

Tipps für den Kontakt während des Lagers

  • Handykontakt möglichst vermeiden
  • bei Anrufen gelassen bleiben
  • Verständnis zeigen, zuhören, ernst nehmen, nachfragen und nach Lösungen suchen, wie sich das Kind verhalten könnte
  • das Kind nur abholen, wenn es auch nach Tagen noch stark leidet
  • sich bewusst sein, dass das Kind gerade grossartige Erfahrungen von Selbstständigkeit macht

Drei Empfehlungen von kjz-Expertin Simone Gruen-Müller

  1. Ausprobieren und Erfahrungensammeln sind wichtige Schritte in die Selbstständigkeit. Sie dürfen Ihrem Kind zu spüren geben: «Ich traue dir das zu!»
  2. Machen Sie keine täglichen Anrufe ab. Wenn, dann vereinbaren Sie einen bestimmten Tag dafür.
  3. Versprechen Sie auch nicht, Ihr Kind im Notfall sofort abzuholen. Damit vermitteln Sie Unsicherheit. Leidet das Kind, dann machen Sie in einem ersten Schritt Mut und fragen Sie nach guten Erlebnissen. Wenn nichts hilft, holen Sie das Kind mit ermutigenden Worten ab: «Du hast es zwei oder drei Tage lang geschafft!»