Die Suche nach einer Lehrstelle kann für Jugendliche eine Herausforderung sein. Hier setzt Ithaka an – das Mentoring-Programm des Kantons Zürich. Das Prinzip: Ehrenamtliche Berufsleute unterstützen Jugendliche bei der Berufswahl. Zum 20-Jahr-Jubiläum von Ithaka berichten Teilnehmende sowie Mentorinnen und Mentoren von ihren Erfahrungen.
Vlada Z.* (18) kam als Jugendliche in die Schweiz und musste feststellen: Ohne Deutsch als Muttersprache ist die Lehrstellensuche schwierig. Dank ihrer engagierten Ithaka-Mentorin gab es dennoch ein Happy End.
«Ich bin als 13-Jährige mit meinen Eltern aus der Ukraine in die Schweiz gekommen. Das war noch vor dem Krieg. Zuerst kam ich in eine Aufnahmeklasse, in der wir acht Monate lang nur Deutsch gelernt haben. Danach kam ich in die Sek B – da musste ich dann Schweizerdeutsch lernen, Französisch und den ganzen anderen Schulstoff. Als ich mich auch noch um die Lehrstellensuche kümmern sollte, war das sehr viel auf einmal. Ich hatte das Gefühl, ich müsse rennen, um mitzuhalten.
Nur schon eine Schnupperlehre zu finden war schwierig. Es kam immer ein Nein zurück. Als ich anrief und nach den Gründen fragte, war die Antwort immer: ‹Wegen deinem Deutsch.› Dabei wurden meine Deutsch-Noten laufend besser, worauf ich wirklich stolz war. Aber ich konnte nur wenige Schweizer Schulzeugnisse vorweisen und die Lehrbetriebe sahen, dass ich erst knapp zwei Jahre in der Schweiz war – das war ein grosses Hindernis.
Innerhalb von einem Jahr schrieb ich 60 oder 70 Bewerbungen, wurde aber nur etwa fünf Mal für eine Schnupperlehre oder einen Infotag eingeladen. Eine deprimierende Erfahrung. Auch einige meiner Lehrpersonen meinten, es werde schwierig mit einer Lehrstelle. Doch ich wollte nicht ein zehntes Schuljahr anhängen – ich hatte ja schon ein Jahr mit der Aufnahmeklasse ‹verloren›. Eine Lehrerin hat mich zum Glück auf Ithaka aufmerksam gemacht, und gemeint, die könnten mir helfen.
Meine Mentorin hiess Karin und hat mich wirklich sehr unterstützt. Wir waren einander sofort sympathisch, was sicherlich geholfen hat. Ich konnte mich jede Woche zwei Stunden lang im biz Winterthur mit ihr treffen, und ich habe mich immer auf diese Nachmittage gefreut. Wenn man so eine schwierige Phase durchmacht, ist es sehr wertvoll, jemanden an seiner Seite zu haben.
Mentorinnen und Mentoren immer willkommen
Sie möchten Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle begleiten? In einem zweitägigen Seminar werden Sie auf die ehrenamtliche Aufgabe als Mentorin oder als Mentor vorbereitet. Melden Sie sich bei einer der Ansprechpersonen von Mentoring Ithaka und erfahren Sie mehr.
Sie half mir mit meinen Bewerbungsschreiben, beim Lernen für den Multicheck-Test, hat mit mir Fotos für den Lebenslauf gemacht, einfach alles Mögliche. Sie hat sogar in ihrem Umfeld herumgefragt und eine Schnupperlehre an der ZHAW für mich gefunden. Das Schnuppern hat mir sehr gefallen. Vor allem erhielt ich aber ein positives Schnupperzeugnis, das ich von da an bei meinen Bewerbungen mitschicken konnte. Endlich hatte ich etwas in der Hand, mit dem ich arbeiten konnte.
Die Treffen mit Karin waren sehr produktiv, aber gleichzeitig auch irgendwie … chillig. Sie war einfach die richte Mentorin für mich. Natürlich haben meine Familie und mein Umfeld auch versucht, mir Mut zu machen, aber es gab niemanden ausser Karin, der gesehen hat, wie viel Arbeit ich in jede Bewerbung steckte. Erst dann versteht man, wie frustrierend es ist, wieder 15 Absagen zu bekommen.
Meine Mentorin hat mich aus jedem Tief herausgeholt mit Bemerkungen wie ‹Ach, diese Stelle war doch sowieso nichts für dich› oder ‹Du findest etwas Besseres›. Sie konnte wirklich alles ins Positive drehen. Diese mentale Unterstützung war enorm wichtig, weil ich schon selbst den Glauben daran verlor, dass es noch klappt mit einer Lehrstelle. Nur schon, dass sie sich so viel Zeit für mich nahm, hat mir bewiesen: Da ist jemand, der an dich glaubt.
Karin war es auch, die auf eine Lehrstelle in einem Produktionsbetrieb für Lebensmittel aufmerksam wurde. Ich hatte die Nahrungsmittelindustrie bis dahin gar nicht ins Auge gefasst, aber es klang interessant. Und was soll ich sagen: Ich habe die Stelle als kaufmännische Angestellte bekommen und bin jetzt bereits im 2. Lehrjahr. Meine Aufgaben sind abwechslungsreich und ich habe das Gefühl, dass ich als Lernende ernst genommen werde. Es gefällt mir mega gut!»
Ithaka: Unterstützung bei der Lehrstellensuche
Mentoring Ithaka ist ein Programm der Berufsinformationszentren (biz) des Kantons Zürich. Es besteht seit 2006. Ziel ist es, Jugendliche in der Sekundarschule bei der Lehrstellensuche zu begleiten. Rund 200 Berufsleute engagieren sich dafür als ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren. Sie unterstützen die Jugendlichen – die sogenannten Mentees – beim Einstieg in eine berufliche Ausbildung. Die Zusammenarbeit ist individuell und dauert im Durchschnitt sechs Monate. Alle Jugendliche, die das Mentoring-Programm abschliessen, finden auch eine passende Anschlusslösung.
* Name durch die Redaktion geändert