Ghosting bei der Jobsuche

Keine Antwort auf die Bewerbung erhalten – was nun?

Die Bewer­bung ist abge­schickt, doch dann: keine Rück­mel­dung. Das kann Jugend­li­che auf Lehr­stel­len­su­che frus­trie­ren und verun­si­chern. Wie sollten sie mit dieser Situa­tion umgehen? Und was gilt es beim Nach­fas­sen zu beach­ten? Hier gibt es Antwor­ten.

«Ich habe vor drei Wochen meine Bewer­bung für eine Lehr­stelle verschickt und noch immer nichts gehört. Was soll ich tun?» – Solche Fragen beschäf­ti­gen viele Jugend­li­che im Bewer­bungs­pro­zess. Sie haben sich Mühe gegeben mit der Bewer­bung und warten gespannt, doch vom ange­schrie­be­nen Lehr­be­trieb kommt keine Rück­mel­dung.

Das kann Enttäu­schung und Verun­si­che­rung auslö­sen, nicht nur bei den Jugend­li­chen. Auch ihre Eltern fragen sich häufig: Sollen wir helfen? Und ist es besser, gleich nach­zu­ha­ken – oder abzu­war­ten?

Gedul­dig bleiben – aber nicht zu lange

Zunächst ist Geduld gefragt. Viele Betriebe erhal­ten zahl­rei­che Bewer­bun­gen und brau­chen Zeit, um diese zu sichten. Gerade klei­nere Unter­neh­men haben keine eigene Perso­nal­ab­tei­lung, die sich mit solchen Aufga­ben befasst. Das heisst: Jemand muss die Bewer­bungs­un­ter­la­gen neben der Arbeit im norma­len Tages­ge­schäft durchgehen.

Es ist daher nicht unge­wöhn­lich, dass eine erste Rück­mel­dung ein bis zwei Wochen auf sich warten lässt. Wenn nach zwei bis drei Wochen immer noch keine Antwort kam, sollten Jugend­li­che nach­fra­gen. Ein kurzes, höfli­ches E-Mail genügt. Wer möchte, kann auch anrufen – beson­ders, wenn in der Ausschrei­bung eine Tele­fon­num­mer ange­ge­ben ist.

Wichtig ist: Freund­lich bleiben und echtes Inter­esse am Beruf und dem Unter­neh­men zeigen.

Nach­fas­sen – so geht’s

Ein guter Einstieg für ein Nach­fass-Mail könnte sein:
«Ich habe mich am [Datum] für die Lehr­stelle als [Beruf] in Ihrem Betrieb bewor­ben und wollte mich erkun­di­gen, ob meine Unter­la­gen ange­kom­men sind und ob Sie bereits einen Entscheid treffen konnten.»

Wer tele­fo­nisch nach­fragt, sollte sich vorbe­rei­ten, Block und Stift für Notizen bereit­le­gen. Wer nervös ist, kann sich vorher stich­wort­ar­tige Notizen machen oder das Gespräch üben.

Den Über­blick behal­ten

Jugend­li­che sollen die Initia­tive ergrei­fen, selbst nach­fas­sen und den Über­blick über ihre Bewer­bun­gen behal­ten. Dabei hilft es, eine Liste mit allen ange­schrie­be­nen Betrie­ben, Angaben zur Antwort und Datum zu führen. Auch eine inhalt­li­che Refle­xion ist bei einer ausblei­ben­den Antwort sinn­voll: Waren die Bewer­bungs­un­ter­la­gen voll­stän­dig? Passt die Bewer­bung zur Stelle?

Falls es Rück­mel­dun­gen gibt, sollten Jugend­li­che diese als Lern­chance sehen – auch Absagen helfen bei der Weiter­ent­wick­lung.

Wie Eltern unter­stüt­zen können

Eltern sind wich­tige Begleit­per­so­nen in der Berufs­wahl – aber keine Stell­ver­tre­ter. Sie können ihre Kinder moti­vie­ren, den nächs­ten Schritt zu machen, gemein­sam E-Mails durch­le­sen oder Tele­fon­ge­sprä­che üben.

Wichtig ist aber: Die Jugend­li­chen sollen lernen, Verant­wor­tung für die Lehr­stel­len­su­che zu über­neh­men. Eltern können als Rück­halt und Gesprächs­part­ne­rin­nen und -partner wirken, ohne diesen Prozess zu über­neh­men.

Bera­tung und Unter­stüt­zung nutzen

Manch­mal hilft der Blick von aussen. Die Berufs­wahl ist ein Prozess, bei dem Unter­stüt­zung erwünscht und hilf­reich ist. Bei Unsi­cher­hei­ten können sich Jugend­li­che an die Berufs­be­ra­tung beim Berufs­in­for­ma­ti­ons­zen­trum (biz) in ihrer Region wenden. Die Bera­te­rin­nen und Berater unter­stüt­zen bei Bewer­bun­gen, zeigen verschie­dene Möglich­kei­ten auf und helfen beim Umgang mit Rück­schlä­gen. Auch Fach­leute an den Schulen können wich­tige Ansprech­per­so­nen sein.

Resi­li­enz stärken

Wenn selbst nach ein bis zwei freund­li­chen Rück­fra­gen (schrift­lich oder tele­fo­nisch) keine Rück­mel­dung erfolgt, kann das enttäu­schend sein. Es ist nach­voll­zieh­bar, wenn sich Jugend­li­che dann entmu­tigt fühlen oder Selbst­zwei­fel aufkom­men.

Wichtig ist: In solchen Momen­ten sollten sich die Jugend­li­chen klar­ma­chen, dass das Schwei­gen des Betriebs nichts über ihren persön­li­chen Wert oder ihre Fähig­kei­ten aussagt. Rück­schläge nicht persön­lich nehmen und dran­blei­ben. Resi­li­enz, also die psychi­sche Wider­stands­fä­hig­keit, lässt sich trai­nie­ren. Wer lernt, mit Enttäu­schun­gen umzu­ge­hen, wird lang­fris­tig gestärkt daraus hervor­ge­hen – eine wert­volle Fähig­keit, nicht nur in der Berufs­wahl.

Joakim Kellerhals arbeitet seit 2024 im Fachstab Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung beim Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB), Kanton Zürich. Er ist zuständig für den Fachbereich Erwachsene/Laufbahnberatung.

Joakim Keller­hals

Joakim Kellerhals arbeitet seit 2024 im Fachstab Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung im Amt für Jugend und Berufsberatung. Er ist zuständig für den Bereich Laufbahnberatung sowie die interne berufliche Weiterbildung. Davor war er als Berufsberater bei der IV des Kantons Zürich tätig.