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Zum biz-Beratungsangebot«Bevor ich meine Mentorin traf, fühlte ich mich allein»
Die Suche nach einer Lehrstelle kann für Jugendliche eine Herausforderung sein. Hier setzt Ithaka an – das Mentoring-Programm des Kantons Zürich. Das Prinzip: Ehrenamtliche Berufsleute unterstützen Jugendliche bei der Berufswahl. Zum 20-Jahr-Jubiläum von Ithaka berichten Teilnehmende sowie Mentorinnen und Mentoren von ihren Erfahrungen.
Sergi R.* fühlte sich bei der Lehrstellensuche zunächst überfordert. Das änderte sich, als er Gabriela Schreiber traf: Sie engagiert sich beim Mentoring-Angebot Ithaka für Jugendliche wie Sergi. Im Interview erzählen die beiden, wie ihre Zusammenarbeit aussieht – und warum sie für beide Seiten bereichernd ist.
Sergi, wann hast du gemerkt, dass du Hilfe bei der Lehrstellensuche brauchst?
Sergi R.: Schon bei den ersten Bewerbungen. Meine Muttersprache ist Spanisch, was wir auch zuhause sprechen. Mein Deutsch ist nicht so gut. Ich brauche darum vor allem beim Schreiben der Bewerbungen Unterstützung. Meine Mentorin hat mir dabei schon viel geholfen. Sie unterstützt mich aber auch bei der Vorbereitung für Bewerbungsgespräche: Was soll ich sagen? Oder: Welche Fragen könnten kommen?
Frau Schreiber, wie lange begleiten Sie Sergi nun schon im Rahmen des Ithaka-Mentorings?
Gabriela Schreiber: Wir treffen uns seit fast einem Jahr einmal pro Woche.
Und wie konnten Sie Sergi konkret unterstützen?
GS: Zuerst haben wir sichergestellt, dass sein Bewerbungsdossier vollständig ist und einen guten Eindruck macht. Das ist immer der erste Schritt. Als Nächstes haben wir Bewerbungsvorlagen für verschiedene Branchen erarbeitet. Und nun geht es darum, konsequent dranzubleiben und Bewerbungen zu schreiben. Dafür treffen wir uns jeweils im biz Urdorf. Wobei ich sagen muss, dass du, Sergi, sehr motiviert und aktiv bist. Du machst auch viel in der Schule oder in deiner Freizeit. Ich habe als Mentorin auch schon Jugendliche begleitet, die sich nur während unserer Treffen mit ihren Bewerbungen beschäftigt haben.
SR: Ich will unbedingt vor dem Schulschluss eine Lehre finden. Dafür habe ich nur noch rund zwei Monate Zeit.
GS: Genau, wir geben nicht auf!
Ithaka: Unterstützung bei der Lehrstellensuche
Mentoring Ithaka ist ein Programm der Berufsinformationszentren (biz) des Kantons Zürich. Es besteht seit 2006. Ziel ist es, Jugendliche in der Sekundarschule bei der Lehrstellensuche zu begleiten. Rund 200 Berufsleute engagieren sich dafür als ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren. Sie unterstützen die Jugendlichen – die sogenannten Mentees – beim Einstieg in eine berufliche Ausbildung. Die Zusammenarbeit ist individuell und dauert im Durchschnitt sechs Monate. Alle Jugendlichen, die das Mentoring-Programm abschliessen, finden auch eine passende Anschlusslösung.
In welchem Bereich suchst du eine Lehrstelle, Sergi?
SR: Zuerst dachte ich, dass ich Logistiker werden will. Als ich aber in diesem Beruf schnuppern konnte, wurde mir bewusst, dass das doch nicht passt. Nun suche ich vor allem nach einer Lehrstelle im Detailhandel oder als Automobil-Assistent.
Und wie viele Bewerbungen schreibst du mit deiner Mentorin pro Woche?
SR: Das ist unterschiedlich. Normalerweise zwei oder drei. Doch weil ich mich auch in meiner Freizeit bewerbe, habe ich insgesamt schon über hundert Bewerbungen geschrieben.
Frau Schreiber, Sie engagieren sich seit rund zehn Jahren als Ithaka-Mentorin. Was ist Ihre Motivation?
GS: Ich selbst habe studiert, aber mein Sohn hat eine Lehre gemacht. Ihn bei diesem Prozess zu begleiten war für mich Neuland. Dabei habe ich festgestellt, wie viel Unterstützung er brauchte. Da fragte ich mich: Wie machen das eigentlich Jugendliche, deren Eltern ihnen weniger Hilfe bieten können? Also überlegte ich mir, wie ich meine Erfahrungen und mein Wissen rund um die Lehrstellensuche weiterhin einsetzen kann, und suchte aktiv nach Möglichkeiten. So habe ich das Ithaka-Mentoring-Programm entdeckt.
Sie haben zuvor erklärt, wie Sie Jugendlichen wie Sergi unter die Arme greifen. Gibt es auch Aufgaben, aus denen Sie sich bewusst heraushalten?
GS: Bei der Berufswahl versuche ich, die Jugendlichen nicht einzugrenzen oder ihnen etwas ausreden zu wollen. Manchmal interessieren sich Jugendliche für einen Beruf, bei dem ich meine Zweifel habe, ob er passt. Dennoch suchen wir dann in einem ersten Schritt in diesem Bereich, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass es manchmal trotz meiner Bedenken klappt und die Jugendlichen anschliessend erfolgreich eine Lehre in ihrem Wunschberuf abschliessen. Wenn es aber anders läuft und mehr und mehr Absagen eintreffen, ist es für Jugendliche einfacher einzusehen, dass es Konzessionen und einen Plan B braucht.
Sergi, wie fühlt es sich an, eine Mentorin als Unterstützung zu haben?
SR: Sehr gut. Davor habe ich mich allein gefühlt. Meine Eltern sind in einem anderen Land aufgewachsen. Sie haben nie eine Lehre gemacht und kennen dieses System nicht. Darum wissen sie auch nicht, wie sie mir helfen können. In der Schule gibt es zwar auch eine Lehrerin, die uns unterstützt. Bei Ithaka habe ich aber eine Mentorin, die sich nur um mich kümmert. Das ist ein grosser Unterschied.
Frau Schreiber, was ist die grösste Herausforderung als Mentorin?
GS: Schwierig ist es für mich, wenn es bis zuletzt nicht klappt mit der Lehrstelle. Das fuchst mich wirklich. Ich muss mir dann in Erinnerung rufen, dass das Mentorat trotzdem wertvoll ist – auch wenn es zu einer anderen Anschlusslösung wie einem 10. Schuljahr kommt. Man arbeitet ja gemeinsam an der Lehrstellensuche und beide entwickeln sich dadurch auch persönlich weiter. Aber wenn ich könnte, würde ich den Prozess manchmal gerne forcieren, damit doch noch ein Lehrvertrag zustande kommt.
Mentorinnen und Mentoren immer willkommen
Sie möchten Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle begleiten? In einem zweitägigen Seminar werden Sie auf die ehrenamtliche Aufgabe als Mentorin oder als Mentor vorbereitet. Melden Sie sich bei einer der Ansprechpersonen von Mentoring Ithaka und erfahren Sie mehr.
Wenn man Ihnen zuhört, merkt man: Sie würden solch ein Mentoring-Mandat wohl weiterempfehlen.
GS: Auf jeden Fall. Als Mentorin oder Mentor kann man einen Unterschied machen. Man kann eine wichtige Rolle in einem entscheidenden Moment im Leben der Jugendlichen spielen – beim Übergang von der Schule in die Berufswelt. Die Jugendlichen müssen wichtige Weichen stellen und sich für eine Ausbildung entscheiden – dabei spürt man manchmal auch ihre Unsicherheit wegen all dem Neuen, das auf sie zukommt. Hier kann die enge und regelmässige Zusammenarbeit viel auffangen. Ich finde das sehr erfüllend, und es macht mir auch nach zehn Jahren noch sehr viel Spass.
* Name durch die Redaktion geändert
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