Fragen zur Erziehung und Entwicklung Ihrer Kinder und zum Familienalltag? Die Fachleute unserer Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) beraten Sie gern.
Zum kjz-Beratungsangebot«Muss ich unsere Tochter (6) wegen des Kontaktrechts auch gegen ihren Willen zum Vater schicken?»
Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei grösster Elternliebe froh um ein bisschen Unterstützung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erziehung weiss das Fachteam unserer kjz-Sprechstunde Rat. Kompetent, anonym und unkompliziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!
Liebes kjz
Unsere Tochter (6) möchte an den Betreuungstagen/Wochenenden nicht zu ihrem Vater. Er akzeptiert dies nicht und gibt mir die Schuld. Dabei gebe ich mein Bestes, um eine gesunde Beziehung zu etablieren. Er setzt unsere Tochter aber massiv unter Druck und sagt ihr, dass sie ihm das Herz bricht, wenn sie nicht zu ihm kommt. Darunter leidet sie stark und fühlt sich für seine mentale Gesundheit verantwortlich. Muss ich ihm unsere Tochter gegen ihren Willen mitgeben? An wen kann ich mich wenden?
Liebe Mutter
Eine Trennung ist für alle Beteiligten eine schwierige und herausfordernde Situation. Für Ihre Tochter ist es belastend, weil sie spürt, dass die Stimmung zwischen den Eltern angespannt ist. Sie steht unter einem grossen Loyalitätskonflikt. Sie hat vermutlich Angst, Sie als Bezugsperson zu verlieren, wenn sie Ihnen zeigt, dass sie ihren Vater sehen möchte. Da Sie die Hauptbezugsperson Ihrer Tochter sind, ist es für Ihre Tochter schlimmer, Sie zu verlieren als den Vater. Daher wählt sie Sie. Für den Vater ist dies frustrierend, da er den Kontakt zur Tochter haben möchte, diese Kontakte jedoch auf grossen Widerstand stossen. In seiner Wahrnehmung tragen Sie die Verantwortung dafür. Für Sie ist die Situation schwierig, weil Sie Ihre Tochter nicht zwingen möchten, Kontakt zum Vater zu haben, und Sie gleichzeitig die Frustration des Vaters aushalten müssen.
Rechtlich sieht es so aus, dass die Eltern das Recht und die Pflicht auf Kontakte haben. Daher müssen Sie streng genommen dem Vater Ihre Tochter mitgeben. Da es für alle Beteiligten schwierig ist, wenn die Kontakte trotz Widerstand des Kindes durchgesetzt werden, ist dies keine längerfristige Lösung und Sie als Eltern sind gefragt. Sie sollen und müssen Ihrem Kind einen Rahmen schaffen, in dem es ohne Stress, Druck und Widerstand zu beiden Elternteilen eine gute Beziehung haben darf. Ich glaube Ihnen, dass Sie nicht aktiv und mit Worten den Kontakt zwischen Ihrer Tochter und dem Vater zu verhindern versuchen. Da Kinder jedoch sehr sensibel sind, spüren sie sehr gut, wenn die Situation zwischen den Eltern angespannt ist, auch ohne Worte. Daher braucht es Sie beide, um die Konflikte zwischen Ihnen als Eltern anzugehen. Es gibt hierfür sehr gute Angebote, zum Beispiel die Beratung im kjz in Ihrer Nähe, eine Mediation, den Kurs «Eltern bleiben» der Geschäftsstelle Elternbildung oder den Kurs «Kinder im Blick» des gleichnamigen Vereins. Weitere Informationen finden Sie zudem auf der Website «Eltern in Trennung» des Kantons Zürich.
Suchen Sie das Gespräch mit dem Vater Ihrer Tochter und versuchen Sie ihn zu überzeugen, dass Ihnen eine Beratung oder ein Kurs beiden zugutekommt. Es geht ja schliesslich um Ihre gemeinsame Tochter, die in Bezug auf ihre Eltern keinen Stress und Druck haben soll.
Ich wünsche Ihnen allen für Ihren weiteren Weg alles Gute!
Maria Knecht-Jenny (Sozialarbeiterin) und das kjz-Team
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Haben Sie eine Frage zur Erziehung, zum Zusammenleben in der aktuellen Situation oder ganz allgemein zum Familienleben? Das kjz-Team beantwortet regelmässig Fragen in der «kjz-Sprechstunde».