Fragen zur Erziehung und Entwicklung Ihrer Kinder und zum Familienalltag? Die Fachleute unserer Kinder- und Jugendhilfezentren (kjz) beraten Sie gern.
Zum kjz-Beratungsangebot«Die Wachphasen meiner Enkelin belasten meine Tochter. Was können wir tun?»
Mütter und Väter wissen am besten, was gut ist für ihr Kind. Doch ab und zu sind sie auch bei grösster Elternliebe froh um ein bisschen Unterstützung. Bei allen Fragen rund um Familie und Erziehung weiss das Fachteam unserer kjz-Sprechstunde Rat. Kompetent, anonym und unkompliziert. Was immer Sie bewegt – wir sind für Sie da!
Liebes kjz
Ich mache mir Sorgen um meine Tochter, da die Enkelin (3) seit längerem nachts lange Wachphasen hat – oft drei Stunden und länger. Die Enkelin geht gegen 19 Uhr ins Bett und wacht regelmässig nach zirka sieben Stunden Schlaf auf. Dann beginnt die lange Wachphase, in der sie erzählt und gut gelaunt ist. Eine notwendige OP (Polypen/Mandeln) brachte beim Schlaf leider keine Besserung. Zu erwähnen ist noch, dass die Enkelin seit zirka einem Jahr einen kleinen Bruder hat, der noch gestillt wird. Die Wachphasen gab es aber bereits vor der Geburt des Bruders. Was können wir tun?
Liebes Grossmami / Lieber Grosspapi
Vielen Dank für Ihre Schilderung. Ich kann gut verstehen, dass Sie sich Sorgen um Ihre Tochter machen. Schlafmangel ist eine Belastung und kann zu einem herausfordernden Alltag und grosser Erschöpfung führen.
Jeder Mensch hat einen individuellen Schlafbedarf. Diese Gesamtzahl an Schlafstunden lässt sich, wenn überhaupt, nur schwer verändern. Für Kinder gibt es entsprechend keine Definition, in welchem Alter ein Kind wie viele Stunden schlafen muss. Stattdessen orientiert man sich daran, wie es ihm in den Wachphasen geht. Ist das Kind emotional stabil, aktiv und an seiner Umwelt interessiert, kann man davon ausgehen, dass es ausreichend viel schläft. Selbst im jungen Alter gibt es Kinder, die mit wenig Schlaf auskommen, was für das Umfeld eine Herausforderung sein kann. Schlafen ist ein grosses und komplexes Thema sowohl für das Kind selbst als auch für die Bezugspersonen.
In Bezug auf die Situation Ihrer Tochter scheint es so zu sein, dass Ihre Enkelin nicht unter ihrem Schlafverhalten leidet, sondern nach sieben Stunden Nachtschlaf ausgeschlafen ist. Sollte sie noch einen Mittagsschlaf machen, wäre es ein erster Schritt, diesen zu kürzen oder ganz wegzulassen. Falls es für Ihre Tochter wichtig ist, selbst eine Mittagspause zu haben, kann sie mit ihrer Tochter zum Beispiel vereinbaren, eine Zeit lang für sich zu spielen oder eine Geschichte zu hören. Zusätzlich könnte es hilfreich sein, sie später ins Bett zu bringen. Das ermöglicht vielleicht noch einmal eine Zeit, in der Ihre Enkelin ihre Eltern ganz für sich hat, ohne den kleinen Bruder an der Seite, und wird die Aufwachzeit nach hinten verschieben.
Jede Veränderung braucht mindestens zwei bis drei Wochen, bis sie sich eingespielt und ritualisiert hat. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts für eine Umstellung, kann deshalb für den Erfolg entscheidend sein.
Die Zeit mit kleinen Kindern ist wunderschön und gleichzeitig anstrengend. Ich wünsche Ihnen viel Zuversicht und freue mich für Ihre Tochter, dass sie empathische Unterstützung in dieser Zeit hat. Für eine eingehende Schlafberatung empfehle ich Ihrer Tochter, sich an das kjz in ihrer Nähe zu wenden.
Alles Gute
Wibke Enderli (Mütter- und Väterberaterin) und das kjz-Team
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Haben Sie eine Frage zur Erziehung, zum Zusammenleben in der aktuellen Situation oder ganz allgemein zum Familienleben? Das kjz-Team beantwortet regelmässig Fragen in der «kjz-Sprechstunde».