Tipps einer Lesepädagogin

4 Tipps für mehr Spass beim Vorlesen

Vorlesen ist mehr als lesen. Es bringt aus zahlreichen Gründen einen Mehrwert mit sich und das Wichtigste: Kinder lieben es! Lese- und Literaturpädagogin Marion Arnold gibt vier Tipps, damit Eltern und Kinder genüsslich vom Vorlesen profitieren können.

Tipp 1
Nur Kindern im gleichen Alter gleichzeitig vorlesen
Je grösser der Altersunterschied, desto schwieriger ist es, das passende Buch zu finden; entweder ist es für die jüngeren Geschwister zu schwierig oder die grösseren langweilen sich. Es lohnt sich daher, auch Geschwistern separat vorzulesen – damit die Geschichte für alle ein Spass ist.

Tipp 2
Im eigenen Dialekt oder der Muttersprache vorlesen
Je dicker die Bücher werden, desto anspruchsvoller ist es, eine Geschichte direkt während des Vorlesens zu übersetzen. Wenn die Umstände nicht zu gross sind, spricht allerdings nichts dafür, ab einem bestimmten Alter auf Hochdeutsch vorlesen zu müssen. Für Kinder aller Altersgruppen bleibt es ein schönes Erlebnis, einer Geschichte in der Muttersprache zuhören zu dürfen.

Tipp 3
Kein Kind ist zu klein zum Vorlesen!
Ganz kleine Kinder können zwar noch nicht so lange am Stück zuhören, doch auch sie haben Spass daran, Stimmen zu lauschen, mit Worten zu spielen oder gar selber mitzumachen bei einer Geschichte. Wichtig ist es, eine passende Lektüre auszuwählen – damit kann aber so früh wie möglich begonnen werden.

Tipp 4
Nicht aufhören mit dem Vorlesen!
Auch dann nicht, wenn das Kind in die Schule kommt. Denn Vorlesen hat nichts mit schulischem Lesen zu tun. Es bedeutet Zeit mit den Eltern alleine, Austausch über das Gelesene und vieles mehr. Ausserdem ist das Lesenlernen für viele nicht einfach. Deshalb ist Vorlesen gerade dann wichtig, damit Kinder wissen, warum es sich lohnt und worauf sie sich freuen können. Ausserdem hören wir bis ins Erwachsenenalter gerne zu bei Geschichten.

Warum vorlesen?

  • Vorlesen schafft Nähe und gemeinsame Erfahrungen. Beim Vorlesen sind die Geschichten nicht alles. Das gemeinsame Erlebnis, das geteilte Vergnügen und die miteinander verbrachte Zeit sind mindestens ebenso wichtig. Dadurch stärkt Vorlesen die Beziehung.
  • Vorlesen gibt Kindern Wortschatz. Kinder nehmen beim Vorlesen unbewusst und spielerisch Erzähl- und Sprachmuster wahr und werden mit schriftsprachlichen Ausdrücken vertraut. Wer Kindern vorliest, stärkt allgemein ihre Sprachkompetenz.
  • Vorlesen hilft Kindern, schneller und lieber zu lesen. Verschiedene Studien zeigen: Kinder, denen regelmässig vorgelesen wird, lernen besser Lesen, verbringen mehr Zeit mit Büchern und haben mehr Spass daran, als Kinder, denen nicht vorgelesen wird.
  • Vorlesen stärkt die Fähigkeit zur Empathie. Geschichten lassen Kinder mitfühlen und miterleben. Sie lernen, sich in andere Perspektiven zu versetzen und können eigene Erfahrungen und Gefühle damit vergleichen. Dies kann Kindern helfen, eigene Probleme und Sorgen zu verarbeiten – auch deshalb, weil Vorlesen in Familien Anlass zu Gesprächen und Austausch gibt.
  • Vorlesen motiviert zum Selberlesen. Wer Kindern vorliest, lebt vor, dass Lesen Freude machen kann. Sie werden genussvoll in die literarische Welt eingeführt und neugierig auf all die unbekannten, in Büchern verborgenen Welten gemacht. Vorlesen trägt so zur Entstehung eines positiven Bezugs zum Lesen bei und fördert die Motivation am eigenen Lesen.

Quellen: Vorlesetag und jährliche Vorlesestudien der Stiftung Lesen

Vorlesen wird vielseitig gefördert. Durch das Projekt Buchstart erhält beispielsweise jedes neugeborene Kind in der Schweiz ein Starter-Kit geschenkt, mit ersten Büchern für Eltern zum Vorlesen.